„Herrenpartie“ (Bundesrepublik; Verleih: Schorcht): Seine Feinde haben es leicht mit Wolfgang Staudte. Er poltert, mit gutem Grund, beharrlich und ehrlich, er weiß, was ihm mißfällt an der Bundesrepublik, aber nicht, wie er es sagen soll. Die Bundesbürger werden auch nach diesem Film, leider, wieder zur Tagesordnung übergehen können. Der Film ist besser, viel besser als die „Dreigroschenoper“ und der ursprüngliche Einfall sogar gut. Einem bundesdeutschen Sängertrupp, unterwegs in Jugoslawien, geht das Benzin ausgerechnet in der Nähe eines einsamen Bergdorfes aus, in dem nur noch Frauen leben – die Männer sind allesamt von Deutschen als Geiseln erschossen worden. Die Sänger, fast alle wie einem Kabarett entstiegen, machen sich bei den Frauen unbeliebt, wecken düstere Erinnerungen und müssen erleben, daß ihr Bus über eine Felskante geschoben wird. Die Frauen sehen am Ende jedoch ihr Unrecht ein, die Deutschen lassen, von einem mitfahrenden Journalisten dazu erpreßt, die Polizei aus dem Spiel und fahren erleichtert und peinlich unbelehrt von dannen.

Es gibt ein paar Stellen, die treffen, aber leider viel zu wenige. Das Ganze, ein Mischmasch aus Satire, Versöhnungsappell und gelegentlicher Rührseligkeit, ist so geradeheraus, so anständig wie unbeholfen. Ich sage nicht, daß man sich das nicht ansehen soll, denn man sollte es sich ansehen. Nur: es handelt sich weder um wirklich verfangende Zeitkritik noch um einen bemerkenswerten Film. Staudtes Mittel sind zu grob, bei aller Mühe macht er es sich zu leicht. Er reiht eine verbrauchte Pose vom Bundesbürger, dem alten Nazi, an die andere, bringt es zum Beispiel fertig, eine Einstellung zwischen den gespreizten Beinen eines stehenden Mannes hindurch nicht herauszuschneiden, vermutlich weil er nicht weiß, daß dergleichen längst von Filmen wie „Barras heute“ in Obhut genommen und korrumpiert ist. Oder es laufen die Sänger zur Abstimmung eigens hinter ein Mäuerchen, daß es so aussieht, als übten sie sich wieder im Hitler-Gruß, oder man sieht Witwe und Holzkreuz gegen einen malerischen Abendhimmel. Natürlich ist es ein kleines Mädchen, das die Deutschen zuerst entdeckt, und natürlich ist es auch dieses kleine Mädchen, das den Bus-Teddybär bekommt und am Ende sogar winkt. Natürlich gibt es einen jungen Mann bei den Deutschen, der den Vätern droht, und bei den Frauen ein junges, liebliches Mädchen, das Einsicht predigt. Der böse Staudte wird dabei plötzlich zum lammfrommen Optimisten.

Überhaupt: bei aller Bitternis ist Staudte optimistisch und im Grunde naiv. So wie er sie zeigt, gebärden sich alte Nazis heute nicht mehr, so schnell kommen ihnen die alten Sachen nicht mehr über die Lippen. Sie haben sich getarnt, so gut, wie man sieht, daß Staudte sie nicht aufspüren konnte. Stimmte sein Film, dann hätten wir bunte Zustände, aber dann wäre es auch nicht weiter schwer, mit ihnen aufzuräumen. Staudte versucht immer wieder, das merkt man, zu differenzieren, und es gelingt ihm auch ab und zu. Die Oberflächlichkeit des Übrigen verdirbt den Film aber an diesen wenigen Stellen. Der bemerkenswerte Schluß zum Beispiel – er zeigt noch einmal die wahnsinnig gewordene Frau, etwas also, das nicht mehr gutzumachen ist, und die grenzenlose und elend selbstgefällige Borniertheit und Unverbesserlichkeit der ältlichen Sängerknaben – hätte einen strafferen, klügeren Film großartig abschließen können.

Staudte schafft es, daß seine Kritiker immer zwischen zwei Stühle geraten. Man muß sich über den Verleih ärgern, der diesen Film so achtlos behandelt, und über die dreisten Reaktionäre beim Industrieblatt Filmecho, denen es gelungen ist, den Theaterbesitzern diesen Film gründlich madig zu machen, wahrscheinlich aus politischen Gründen, aber es fallen einem nicht genug Gegenargumente ein. Wie soll man eine gute Absicht loben, wenn sie derart präsentiert wird? U. N.