R. S., Bonn, im Mai

Der Friede vom Tegernsee ist doch nur ein Scheinfriede. Schon zwei Tage nach der Aussprache in Erhards Urlaubsvilla kritisierte der CSU-Pressechef Schmöller in dem von Strauß herausgegebenen „Bayern-Kurier“ die Entspannungspolitik des Weißen Hauses und warf Bundesaußenminister Schröder vor, daß er nicht hart genug auf die Einbeziehung der deutschen Frage in die Entspannungsgespräche dränge.

Kurz darauf tagten der Fraktionsvorstand und die Fraktion der CDU/CSU im Bundestag. Barzel und Erhard berichteten über die Einigung am Tegernsee. Aber keiner fragte, warum dann ausgerechnet der Pressechef der CSU, der doch nicht gegen den Willen des Parteivorsitzenden gehandelt haben kann, zu einem neuen Angriff auf Schröder ansetzte.

Jeder CDU-Abgeordnete weiß, was parteioffiziell natürlich energisch geleugnet wird, daß der Streit zwischen Strauß und Schröder im Grunde auf persönliche Rivalitäten und Animositäten zurückgeht. Stellt man die Frage: „Glauben Sie, daß Straußens Kritik an Schröders Außenpolitik auch dann so heftig wäre, wenn Strauß in der Bundesregierung säße?“, dann stößt man auch in den Reihen der Union kaum auf sehr ernsten Widerspruch.

Fragt man sich dann, welches der Bonner Ministerien wohl für Franz Josef Strauß in Betracht komme, dann bleiben, läßt man die politisch uninteressanten Ministerien und die Fachressorts (Wirtschaft, Finanzen, Justiz) weg, nur drei übrig: Äußeres, Inneres und Verteidigung. In das Verteidigungsministerium will aber Strauß selbst nicht mehr zurückkehren. So bleiben nur das Außen- und das Innenressort. Sicherlich wird Strauß mehr nach dem ersten als nach dem zweiten streben. 1965 möchte er, koste es, was es wolle, in das Bundeskabinett zurückkehren. Deshalb werden seine Angriffe gegen Schröder vermutlich kaum aufhören.