Die größte Girozentrale macht die Kapitalerhöhung schmackhaft

Um fast 15 Prozent hat die größte Girozentrale der Sparkassenorganisation, die Rheinische Girozentrale und Provinzialbank, Düsseldorf, im vergangenen Jahr ihre Bilanzsumme ausdehnen können. Damit wurde die Geschäftsausweitung des Vorjahres von 10 Prozent beträchtlich übertroffen. Mit der Zunahme der Bilanzposten um 1,18 Milliarden (Vorjahr 738 Millionen) auf 9,26 Milliarden Mark besitzt die „Clearingstelle“ für die rheinischen Sparkassen und Landesbank der „Rheinprovinz“ nun eine Größe, die der kleinsten der drei Großbanken kaum noch nachsteht. Die Bilanzsumme der Commerzbank lag Ende 1963 mit 9,34 Milliarden um nur etwa 80 Millionen darüber. Dabei sind die zahlreichen Geschäfte der Provinzialbank außerhalb der Bilanz – die sogenannten Verwaltungs- und Treuhandkredite, die die Bank im Auftrag der öffentlichen Hand durchführt – mit einer Vermögensmasse von etwa 5,6 (Vorjahr 5) Milliarden Mark darin noch nicht enthalten.

Der allgemeinen Tendenz bei öffentlich-rechtlichen Banken folgend, hat sich auch bei der Rheinischen Girozentrale im vergangenen Jahr das langfristige Geschäft am stärksten ausgedehnt. Um 522 (Vorjahr 408) Millionen auf 3,9 Milliarden nahmen die Hypothekendarlehen und langfristigen Ausleihungen gegen Kommunaldeckung zu. Ende des vergangenen Jahres „führten“ die Kommunaldarlehen mit einem Bestand von 1,94 Milliarden vor den Hypothekendarlehen mit 1,14 und den sonstigen langfristigen Darlehen, das sind vor allem gewerbliche Investitionskredite, mit 807 Millionen Mark. Demgegenüber erscheinen die um 92 auf 719 Millionen Mark erhöhten kurz- und mittelfristigen Ausleihungen (Debitoren) noch relativ bescheiden, wenn man die Girozentrale mit privaten Banken vergleichen würde. Immerhin wird hier aber ein Geschäftszweig gepflegt, mit dem das Institut in besonders lebhaftem Wettbewerb mit den privaten Banken steht. Die Neubewilligungen im sogenannten Privatkreditgeschäft erreichten mit 330 Millionen zwar nicht ganz die Höhe des Vorjahres (363 Millionen), der Bestand der Ausleihungen stieg jedoch von 541 auf fast 600 Millionen Mark.

Der Bank fiel es nicht schwer, das Kreditgeschäft zu finanzieren. Vor allem, die befristeten Einlagen der angeschlossenen Sparkassen nahmen kräftig zu. Der größte Teil des Einlagenzustroms von 358 Millionen (auf 3,78 Milliarden) kam von ihnen. Die Mittel für die langfristigen Ausleihungen verschaffte sich das Institut durch den um 41 Prozent gestiegenen Erstabsatz bankeigener Schuldverschreibungen.

Vom erweiterten Geschäft ist die Ertragslage günstig beeinflußt worden. Der sichtbare Gewinn wird mit 36 Millionen um 10 Millionen höher ausgewiesen. Dreiviertel dieses Mehrbetrages „stammen“ allerdings aus den von 2,1 auf 9,7 Millionen sprunghaft gewachsenen außerordentlichen Erträgen, die in der Bilanz leider nur dürftig erläutert sind. Die Erhöhung der „außerordentlichen Erträge“ – so heißt es lediglich – „steht zum Teil im Zusammenhang mit dem Beitrag zur Kapitalerhöhung“. Es sind also stille Reserven aufgelöst worden, mit denen den Eigentümern, dem Land Nordrhein-Westfalen, dem Landschaftsverband Rheinland und dem Rheinischen Sparkassen- und Giroverband die Kapitalerhöhung schmackhaft gemacht werden soll. Denn aus dem Gewinn erhalten sie 10 Millionen Mark, sozusagen als „Gratisaktien“. Die sonst so bescheidende satzungsmäßige Dividende von 6 Prozent auf das Stammkapital von 100 Millionen erscheint so in einem anderen Licht. Die Eigentümer erhalten 16 Prozent und kassieren künftig – wenn es 6 Prozent gibt – immerhin effektiv 6,6 Prozent Dividende. W. W.