Der Geschäftsbericht der Salzdetfurth Aktiengesellschaft, Hannover, rechtfertigt vollauf die kräftige Kursverbesserung dieser Aktie um rund 100 Punkte im Zeitraum eines Jahres. Die Stillegung des Steinkohlenbergwerkes Mansfeld, mit der vor einem Jahr die Kürzung der Dividende von 14 auf 12 Prozent begründet wurde, hat sich rasch günstig ausgewirkt. Im Geschäftsjahr 1962 hatte die Holding noch einen Mansfeld-Verlust von fast 8 Millionen DM zu tragen. Diesmal konnte die Mansfeld AG für Bergbau und Hüttenbetrieb nicht nur einen kleinen Gewinn von 0,16 Millionen DM abführen, sondern darüber hinaus der Holding helfen, die Bankschulden kräftig von 23,5 auf 5 Millionen abzubauen. Im Ergebnis werden zwar die Sti11legungsprämie und die Veräußerungserlöse wieder von hohen Abschreibungen, Pensionsverpflichtungen und Bergschäden aufgezehrt, aber vorübergehend kann die Mansfeld AG beträchtliche liquide Mittel der Holding für andere Bereiche des Konzerns zur Verfügung stellen.

Von den drei Bereichen Kali- und Steinsalzwerke, Chemische Fabrik Kalk und Mansfeld-Gruppe erwirtschaftete die Vereinigte Kaliwerke Salzdetfurth AG mit 30,8 Millionen DM den größten Gewinn (vor Steuern). Obwohl dieser Ertrag um reichlich 5 Millionen niedriger ist als im Vorjahr, war die Gesellschaft doch recht erfolgreich. Die Gewinn- und Verlustrechnung wird nämlich dadurch beeinträchtigt, daß sich die Rückstellungen für Versatzkosten auf Grund neuer Berechnungen um 5,5 Millionen DM erhöhten. Den Rationalisierungs-Investitionen ist ein Rückgang der Lohn- und Gehaltssumme von 50,2 auf 47,9 Millionen DM zu verdanken.

Auf den Vier Kaliwerken verminderte sich die Zahl der Beschäftigten von 6270 im Jahre 1956 auf 4930 Ende 1963. Dieser Entwicklung sind jedoch, wie Vorstandsvorsitzer von Velsen sagte, Grenzen gesetzt.

Im Kaliexport besteht nach wie vor. eine große Abhängigkeit von der Politik und vom Verhalten des Ostblocks. Und die Steigerung des Kaliumsatzes ist bei der Salzdetfurth im wesentlichen dem Exportgeschäft zuzuschreiben. Wie schnell sich die Situation wandeln kann, zeigt wohl am deutlichsten die Tatsache, daß gegenwärtig auch die Zone Kali aus der Bundesrepublik bezieht, während sie sich noch vor einem Jahr um Absatz bei uns bemühte.

Die stärkere Nachfrage nach Kali in der Welt sorgte auch dafür, daß der internationale Preisdruck auf den Überseemärkten, der vor allem entstanden war mit dem Erscheinen Kanadas als Kalierzeuger, wieder nachgelassen hat. An der Erschließung kanadischer Kalivorkommen wird übrigens in einiger Zeit auch die Salzdetfurth AG beteiligt sein. Gemeinsam mit der Wintershall AG und französischen Kaliproduzenten sind die Vorbereitungen zum Bau eines Kalibergwerkes in der kanadischen Provinz Saskatchewan soweit gediehen, daß mit dem Beginn der AbteufarbeitenEnde dieses Jahres gerechnet wird. Die Salzdetfurth AG erwartet, daß sie hierfür in den nächsten sechs bis sieben Jahren insgesamt 60 Millionen DM bereitzustellen hat.

Die Salzdetfurth-Bilanz bietet ein gutes Bild. Der Vorstand – gestützt auf den gegenwärtigen Geschäftsgang – hält es deshalb für wahrscheinlich, daß die Dividende auch für 1964 nicht unter 12 Prozent liegen wird. In der konsolidierten Bilanz fällt der Rückgang der Verbindlichkeiten von 90 auf 60,9 Millionen DM auf. Die finanzielle Anspannung im Jahre 1962 war also nur kurzfristig. Die vorgeschlagene Gewinnausschüttung von 12 Prozent auf das Grundkapital von 125 Millionen DM entspricht einem Anteil von 3,7 Prozent am Fremdumsatz. Das ist ein größerer Anteil als im Durchschnitt der Kohlchemie (2,7 Prozent). Der Börsenspekulation bietet sich allerdings nur wenig Spielraum. Denn für eine Kapitalerhöhung besteht keine Notwendigkeit, und an eine Rückkehr zu den 1960 und 1961 gezahlten 14 Prozent Dividende wird offensichtlich nicht gedacht; die Konzernleitung möchte jedenfalls die Linie der inneren Stärkung vorerst nicht aufgeben. K. D.