Die mit Spannung und einigem Unbehagen erwartete 300-Millionen-Anleihe des Bundes ist rasch und ziemlich mühelos untergebracht worden. Große Banken haben nicht nur ihre Konsortialquote abgesetzt, sondern mußten sogar noch dazu kaufen, um die Wünsche ihrer Kunden zu befriedigen.

War also das Wehklagen über die schlechte Behandlung des Rentenmarktes durch den Staat, der eine Kapitalertragssteuer für Gebietsfremde einführen will, grundlos? Waren also hier nur die üblichen Klagen bestimmter interessierter Kreise zu Hören? Wer die Diskussion vor der Auflegung der sechsprozentigen Anleihe verfolgt hat, könnte dieser Meinung sein.

Ganz so einfach ist es aber nun doch nicht. Zwei Punkte haben im Fall dieser Anleihe das Marktbild verfälscht. Einmal hatte sich durch die rund zwei Monate dauernde Emissionspause ein Anlagebedarf aufgestaut, zum anderen war der Ausgabekurs von 99 Prozent gewissermaßen eine optische Täuschung. Bei diesem Kurs wurden bisher die öffentlichen Anleihen an der Börse gestützt. Bei der neuen Anleihe muß man aber die Bonifikation abziehen, die Banken und Großanlegern beim Ersterwerb in Höhe von dreiviertel Prozent gewährt wird. Was liegt nun also näher, als ältere Anleihen zu dem gestürzten Kurs von 99 zu verkaufen und die neue Anleihe zu 98 1/4 zu kaufen. Bei großen Beträgen ergibt sich da ein netter Ertrag.

Ein Test war diese Anleihe also nicht. Wie die Verfassung des Rentenmarktes wirklich ist und wie er auf eine in Kraft gesetzte Kapitalertragssteuer für Gebietsfremde wirklich reagiert, bleibt abzuwarten. mh.