Dreht jemand am Kurs der Aktien der Deutschen Erdöl AG? Gibt es einen Aufkäufer, der bereits über eine Schachtelbeteiligung oder mehr verfügt? Das sind Fragen, mit denen sich die Börse in den letzten Wochen ständig auseinandergesetzt hat. Sie suchte nach einer Erklärung für den raschen Kursanstieg der DEA-Aktien von 134 Prozent (Tiefstkurs des vergangenen Jahres) auf annähernd 300 Prozent (vor der kürzlich durchgeführten Kapitalerhöhung).

Der Vorstand der DEA hat jetzt versucht, die üppig wuchernden Börsengerüchte zu beschneiden. Sein Vorsitzender, Terry von Berghes, zur Kursentwicklung: „Im vergangenen Jahr war unsere Aktie echt unterbewertet. Dazu hat die Situation der Rheinpreussen AG (die DEA ist an der Gesellschaft mit 93,4 Prozent beteiligt) beigetragen, die damals mit rund 11,8 Millionen DM Verlust abschloß. Die inzwischen besser gewordene Lage bei Rheinpreussen hat schließlich den Anstoß zur Aufwärtsbewegung ebenso gegeben wie die sogenannte ‚Erdgasblase‘. Tatsächlich liegt im Erdgas eine echte Chance, die jedoch nicht von heute auf morgen wirksam werden kann. Wir führen die Aufwärtsentwicklung des DEA-Kurses aber auch auf die in unseren Aktionärsbriefen aufgezeigte günstigere Entwicklung zurück.“ Selbstverständlich hat sich die DEA-Verwaltung auch mit den Versionen über mögliche Paketbildungen beschäftigt. „Wir haben dafür keine Anzeichen und wir glauben daran auch nicht!“ – war die klare Antwort.

Gezielt wurde der Vorstand gefragt, ob er sicher sei, daß auch die Continental Oil Company (Conoco) nicht hinter – den von der Börse vermuteten Aufkäufen stehe. Antwort: „Mit einer an Sicherheit grenzenden

Wahrscheinlichkeit wissen wir, daß Conoco kein nennenswertes DEA-Paket besitzt!“ Und wie steht es mit der Deutschen Bank? Als ihr Sprecher, Hermann J. Abs, auf der letzten Hauptversammlung erklärte, die Deutsche Bank besitze Schachtelbeteiligungen an Gesellschaften, von denen die betroffenen Unternehmen selbst nichts wüßten, war die Vermutung zu hören, daß eine „heimliche“ Schachtel bei der DEA bestehen würde. Aber auch hier ein klares Dementi, und zwar durch den stellvertretenden Vorsitzenden des DEA-Vorstandes, Dr. Hugo Griebel; der gleichzeitig einen Aufsichtsratsposten bei der Deutschen Bank innehat: „Die Deutsche Bank besitzt keine Schachtelbeteiligung an der DEA; sie hat in der letzten Zeit ihren eigenen Aktienbestand weder verstärkt, noch ermäßigt und so eine Paketbildung an anderer Stelle begünstigt!“

Da keine Veranlassung besteht, die Aussagen des DEA-Vorstandes anzuzweifeln, kann man auch weiterhin davon ausgehen, daß die DEA eine ausgesprochene Publikumsgesellschaft ist. Es gibt keinen Einzelaktionär, der auch nur annähernd 5 Prozent, des DEA-Aktienkapitals von jetzt 375 Millionen Mark besitzt. Die Familie Haniel, die seinerzeit aus der Übernahme der Rheinpreussen AG durch die DEA einen größeren Posten DEA-Aktien übernahm, sieht die DEA-Verwaltung zu Recht nicht als eine „Einheit“ an. Die Gesamtzahl der DEA-Aktionäre liegt zwischen 40 000 und 45 000.

Diese Feststellungen werden die Börsenspekulation vermutlich ernüchtern. Schon die Veröffentlichung des Abschlusses für 1963 hatte einige Illusionen zerstört. Wenn die Ertragskraft bei der Kursbewertung zugrunde gelegt wird, ist die DEA-Aktie im Vergleich zu anderen Papieren zweifellos ein sehr teures Papier. Bei ihr ist ein großer Teil der hoffentlich guten Zukunft im Kurs bereits vorweggenommen. Nach Lage der Dinge wäre es allzu optimistisch, für 1964 mit einer höheren Dividende als 10 Prozent zu rechnen. Noch gibt es keine Anzeichen für eine umwerfende Besserung der Ertragslage, die einen solchen Schritt rechtfertigen würde. Immerhin kann es aber als sicher gelten, daß die Gesellschaft in der Lage sein wird, den Satz von 10 Prozent auf das erhöhte Kapital zu zahlen.

K. W.