BOCHUM (Städtische Kunstgalerie):

„Englische Kunst der Gegenwart“

An dieser ersten repräsentativen Ausstellung englischer Kunst nach 1945 in Deutschland, die zeitlich mit der Englischen Woche in Düsseldorf zusammenfällt, sind 47 Künstler mit 156 Gemälden und Skulpturen beteiligt. Man kennt bei uns seit langem die führenden Namen, die Bildhauer vor allein, die der englischen Kunst das internationale Prestige gegeben haben: Henry Meere, der in Bochum mit fünf Skulpturen vertreten ist, Chadwick, von dem man neben einigen älteren „Beasts“ und „Walchers“ auch Zeichnungen sieht, Armitage und Butler und die lyrisch gestimmten Abstraktionen von Barbara Hepworth, die prächtigen Metallapparaturen von Paolozzi und die spitzigen, surrealen Bronzetier-Paraphrasen von Meadows. Aber der British Council, dies bestfunkfionierende kulturelle Propagandainstrument, präsentiert die englischen Künstler, die Bildhauer und auch die führenden Maler wie Nicholson, Sutherland, Bacon, auch den nicht ganz so interessanten William Scott, grundsätzlich in Einzelausstellungen, Die englischen Bildhauer und Maler sind eingefleischte und ausgemachte Individualisten, es gibt in London keine Parallele zur Ecole de Paris, und wenn man sie, die prominenten und die vielen jüngeren unbekannten Künstler, jetzt in Bochum zusammensieht, ist der Eindruck verwirrend, zwiespältig; nicht bloß im Stil, auch im Niveau sind die Unterschiede erheblich. Nicht einmal die beiden für die Auswahl verantwortlichen Engländer, zwei anerkannte Autoritäten, Sir Herbert Read und Roland Penrose, können die Frage beantworten, ob sich in diesem künstlerischen Konglomerat überhaupt charakteristische englische Merkmale finden lassen. Es sei denn, man nähme Exzentrizität für eine typisch englische Eigenschaft, Ein strenger Konstruktivismus und surreale Figuration sind die beiden Pole, zwischen denen alle individuellen Spielarten und Kombinationen sich ausbreiten. Nicht vorhanden ist das expressive Element, das in Deutschland zum mindesten unterschwellig weiterlebt, aber auch die kultivierte, hochgezüchtete Pariser peinture hat in England nicht Schule gemacht, Die Ausstellung ist nur in Bochum zu sehen, bis zum 7. Juni,

FRANKFURT (Karmeliterkloster):

„Avromides – Urteil Wotruba“

Alljährlich veranstaltet die Frankfurter Galerie Dr. Appel im Kreuzgang des Karmeliterklosters eine Plastik-Schau. Ein ideales Ausstellungslokal, ganz abgeschlossen, wunderbar still, kühl an heilen Tagen, ein improvisiertes Freilichtmuseum – die kleinen Skulpturen stehen im Kreuzgang, daneben an den Wänden hängen alle Grabplatten, die größeren Arbeiten stehen im Hof. Die drei Bildhauer kommen aus Wien, wo sich um Wotruba ein Zentrum der europäischen Bildhauerei entwickelt hat. Wotruba selbst ist mit einer großen Marmorfigur und vier Bronzen vertreten, seine Bedeutung als Steinbildhauer, der aus kantigen Blöcken die Figur errichtet, ist unbestritten, die Umsetzung der für den Stein konzipierten Plastik in Bronze wirkt hier, wie bei jeder Wotruba-Ausstellung, problematisch. Die beiden anderen Bildhauer sind Schüler von Wotruba. Für den Griechen Joannis Avramides ist die Figur ein Mittelding zwischen Säule und Baumstamm, zwischen organischem Wuchs und tektonischem Aufbau. Das Konzept ist wenig variabel, ein Dutzend dieser Bronzesäulen wirkt monoton. Eine Überraschung und Entdeckung ist der dritte und jüngste, der Jugoslawe Andreas Urteil, dessen Werke man zum erstenmal in Deutschland sieht und der im letzten Sommer, erst dreißig Jahre alt, gestorben ist. Seine Figuren greifen mit wilder Gebärde in den Raum, man spürt die leidenschaftliche Anstrengung und verzweifelte Kraft, mit der sie sich gegen einen formauflösenden Wirbel behaupten oder, in der tragischen Geste eines „Ikarus“ oder „Orpheus“, die Idee des Scheiterns suggerieren. Das Werk des früh verstorbenen Bildhauers gehört zum Eindrucksvollsten in der zeitgenössischen Plastik. Die Ausstellung endet am 13. Juni.

HAMBURG (Dr. Ernst Hauswedell):