Von Pablo Casals

Jeden Tag, nach meinem Morgenspaziergang am Strand bei San Juan auf Puerto Rico, spiele ich zum Auftakt Bach. Aber auf dem Klavier, nicht auf dem Cello ... meistens Präludien und Fugen. Das ist wie ein Segen für das Haus.

Ich liebe Mozart, Beethoven und viele andere Komponisten, aber ich könnte den Tag nicht mit einer Sonate von Beethoven oder Mozart beginnen.

Puerto Rico ist genauso schön, wie meine Mutter es mir immer beschrieben hat. Sie ist nie wieder auf die Insel zurückgekommen, nachdem sie meinen Vater geheiratet und sich in Vendrell, sechzig Kilometer südlich von Barcelona, niedergelassen hatte. Aber sie hatte oft Heimweh.

Meine Mutter war eine wunderbare, ganz außergewöhnliche Frau. Sie war klein, hatte dunkle Haare und ein feines Gesicht. Sie hat meine moralischen Grundsätze geformt.

Ich kann mich nicht erinnern, daß sie je laut mit uns gesprochen hätte; aber sie besaß eine Art, uns anzusehen, daß wir gar nicht anders konnten als gehorchen.

Einer ihrer Grundsätze war: „Im Prinzip achte ich kein Gesetz.“ Mich und meinen Bruder Luis hat sie, als wir ins wehrpflichtige Alter kamen und eingezogen werden sollten, freigekauft. Aber diese Möglichkeit bestand bei meinem jüngsten Bruder Enric nicht mehr. Meine Mutter erklärte ihm: „Sohn, du darfst niemanden töten, und du darfst dich auch von niemandem töten lassen