Anfangs wunderten sich die Besitzer der Hobby-Läden über die urplötzlich wachsende Do-it-yourself-Begeisterung der amerikanischen Jugend im Modell-Flugzeugbau; aber es blieb nicht lange verborgen, daß es die Teenager nicht auf die Bastelei, sondern nur auf den Klebstoff abgesehen hatten, der dabei verwendet wird. Gierig riechen Tausende von Jugendlichen an dem Leim, dessen Lösungsmittel verdunstet und dabei ein berauschendes Gas abgibt. Anfängern genügt noch eine einzige Tube, um sich in einen der Trunkenheit ähnlichen Zustand zu versetzen; doch wie beim Alkohol wird die Dosis mit der Zeit gesteigert – fünf Tuben Klebstoff pro Rausch sind heute keine Seltenheit mehr.

In manchen US-Staaten wird Leim-Schnüffeln als Vergehen bestraft, andere haben den Verkauf des Klebstoffs rundweg verboten. Dennoch nimmt die Süchtigkeit unter den Jugendlichen und seit einiger Zeit auch unter den Erwachsenen bedenklich zu.

Endlich soll es nach Jahren intensiver Forschung gelungen sein, ein dem „dope“ gleichwertiges Leim-Lösungsmittel herzustellen. Die Hobby-Industry-Association of America gab bekannt, daß der neue nicht berauschende Kleber in etwa einem Jahr lieferbar sei.

Doch die Findigkeit der Süchtigen scheint keine Grenzen zu kennen. Im letzten Herbst stellten die Samenhandlungen in Kalifornien fest, daß der Samen der Trichterwinde plötzlich reißenden Absatz fand. Innerhalb weniger Wochen hatte es sich bereits bis zur 4000 Kilometer entfernten Ostküste der Vereinigten Staaten herumgesprochen, daß dieser Blumensamen einen ähnlichen Effekt hat wie das Rauschgift LSD.

Jetzt ist das Neueste ein bekanntes opiumhaltiges Stopfmittel, das sich Süchtige beschaffen, um damit euphorische Traumzustände zu erzeugen. Das Medikament wird eine Weile gekocht und das verbleibende Opium-Konzentrat in die Vene gespritzt.

Um die dem Heroin-Rausch ähnliche Wirkung der Droge zu verstärken, sind besonders findige Süchtige auf die Idee gekommen, in dem Stopfmittel-Destillat eine bestimmte Antihistamin-Pille aufzulösen, die dem Gebräu eine bläuliche Farbe gibt, weshalb es unter Eingeweihten „blauer Samt“ genannt wird.

Diese Sucht ist hauptsächlich in Detroit verbreitet, wo von 1216 bekannten Rauschgift-Süchtigen 713 dem blauen Samt verfallen sind, „weil Detroit am falschen Ende der ‚Heroin-Pipeline‘ liegt“, wie Dr. Martin Lerner erklärt, der an der Wayne-Universität Studien über die Rauschgiftsucht betreibt. Heroin kommt über New York und Chikago ins Land, und ehe es in Detroit eintrifft, ist schon zuviel unterwegs hängengeblieben.