Von Bodo Harenberg

Freunde, die den Weg des Fußball-Clubs Preußen Münster auch seit seinem Abstieg aus der Bundesliga verfolgen, mußten ihre Geographiekenntnisse auffrischen. 92 Stunden nach dem letzten Meisterschaftsspiel der höchsten deutschen Klasse sind Spieler, Trainer und Begleiter zu einer Reise um die Welt gestartet, die mit Stationen Hongkong und Kalkutta, Melbourne und San Franzisko ans erdkundliche Wissen der Fußballkenner appelliert.

Nicht Bildungsdrang und Fernweh, sondern finanzielle Sorgen haben diese Reise inspiriert. Seit der Abstieg bittere Gewißheit ist, sahen Preußen-Präsident Bernhard Bracht und seine Berater keine greifbare Möglichkeit, ihre Spieler durch Spiele im Lande redlich zu nähren. Da erinnerten sie sich rechtzeitig des Pariser Telephonanschlusses Invalides 69-53, mit dem sie übers Fernamt in Verbindung traten. Am anderen Ende der Leitung meldete sich der Spielvermittler Juliusz Ukrainczyk, dem die Herren ihre Lage offenbarten und als Trost viele Spiele in fernen Ländern abrangen.

Damit war der SC Preußen Münster den sauren Wochen entronnen, die Deutschlands Bundesligisten seit dem 9. Mai und bis zum 29. August durchstehen müssen. So lange dauert just die Pause zwischen dem letzten Spieltag der vergangenen und dem ersten Spieltag der kommenden Saison. Während dieser Pause wissen selbst tüchtige Vorstände kaum, wie sie alle laufenden Kosten, ohne das Konto anzugreifen, bewältigen sollen. Zwar verfügen sie über kostbare Maschinen in Spielergestalt, doch es ermangelt lohnender Aufträge, denn Deutschlands Fußballvolk ist des Zusehens müde.

Die Unkosten der Bundesligavereine laufen trotz dieses geringen Zuspruchs aber weiter. Zwar fallen hohe Kosten für Fahrten zwischen Hamburg und München, Übernachtungen der Spieler in Grand-Hotels und Bankette mit sieben Gängen weg, aber 50 000 DM müssen die Vorstände der Bundesligisten allemal im Monat opfern, wollen sie die Spieler nicht erzürnen und zur Drohung verleiten, in der nächsten Saison bei großzügigeren Arbeitgebern tätig zu sein.

Nun haben alle Vereine natürlich die Möglichkeit, die Einnahmen ihrer Stars auf das 400-DM-Grundgehalt zu beschränken, doch bis auf Schalke, Saarbrücken und Münster ist kaum ein Vorstand zu solchem Wagemut imstande. Und auch in diesen drei Fällen sind Not und Vorsorge für noch schlechtere Zeiten, mit denen zumindest Saarbrücken und Münster nach ihrem Abstieg in die Regionalligen und dem damit verbundenen Spielerausverkauf rechnen müssen, Anlaß zu drastischen Sparmaßnahmen. Ohne so zwingende Gründe würde niemand den Mut besitzen, die Stars zu drücken.

Dann greifen die Herren Vorstände schon lieber zu den Ersparnissen oder gehen auf Amerikatournee wie der HSV und Meiderich oder aber erfinden – eins, zwei, drei – einen neuen Pokalwettbewerb, bei dem es wieder „um etwas geht“. Für den 1. FC Saarbrücken, Hertha BSC, Eintracht Braunschweig und den 1. FC Kaiserslautern heißt er Intertotopokal und wird vermutlich sehr einträglich sein. Vier andere Vereine streiten im Halbfinale des DFB-Pokals um Zuschauer und den Einzug ins Finale und noch andere bewerben sich beim Matchmaker Juliusz Ukrainczyk um die Teilnahme an Cups, die von Privathand gestiftet und in der Form von Turnieren auf Malaga, in Paris, New York oder Brüssel ausgespielt werden.