Präsident Lyndon B. Johnson, seit einem halben Jahr an der Spitze des mächtigsten Staates in der westlichen Hemisphäre, schreitet immer selbstbewußter in den Fußstapfen seines großen Vorgängers voran. Bei der Einweihung der George Marshall-Forschungsbibliothek in Lexington am vorigen Sonnabend trug er sorgfältig formulierte Gedanken zur Ostpolitik vor, mit denen er dem Kurs John F. Kennedys beharrlich und getreulich folgt:

„Wir werden die Politik fortsetzen, Brücken über die Kluft zu schlagen, die uns von Osteuropa getrennt hat, Brücken des verstärkten Handels, der Gedanken, der Besucher und der menschlichen Hilfe.

General Marshall hatte in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg die Vorstellung, daß ein dauerhafter Frieden vom Wiederaufbau der Kultur Europas innerhalb seiner historische! Grenzen abhängt. Über diese Hoffnung senkte sich der Eiserne Vorhang, aber die Richtigkeit seiner Überzeugung hat sich nicht geändert. Ein Jahrzehnt später beginnen die Nationen Osteuropas, sich wieder auf sich selbst zu besinnen.

Es gibt keinen einzelnen Eisernen Vorhang mehr, es sind ihrer viele. Jeder unterscheidet sich vom andern an Stärke und Dicke, an Licht, das durchdringen und in der Hoffnung, de dahinter sprießen kann.

Vier Gründe sprechen dafür, daß sich Brücken nach Osteuropa als nützlich für die Nationen drüben und hier im Westen erweisen werden:

1. neue Beziehungen zu jenen Ländern anzuknüpfen, die eine größere Handlungsfreiheit anstreben, aber eine Isolierung nicht riskieren können,

2. den Geist einer neuen Generation für den Wert der westlichen Kultur aufzuschließen, zu der sie gehört