Edgar Stern-Rubarth: „... Aus zuverlässiger Quelle verlautet...“; W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart. 330 Seiten; 19,80 DM.

Hermann Schreiber: Zwischenzeit. So leben wir. Steingrüben Verlag, Stuttgart. 266 Seiten.

Ein Achzigjähriger legt seine Erinnerungen an ein reiches Leben vor. Stern-Rubarth, Sprößling einer Frankfurter Patrizierfamilie, hat sich frühzeitig dem Journalismus verschrieben und in diesem Beruf die Erfüllung seiner beruflichen Wünsche gefunden. Er gehört zu den nicht eben zahlreichen Vertretern unseres Berufes; die nicht nur ständig mit den Staatsmännern ihres und fremder Länder umgehen, sondern auch selber ein wenig Politik „machen“. Er hatte das Vertrauen Stresemanns und Briands und er hat, wenn auch am Rande, politische Entschlüsse beeinflußt. In seinem Schreiben und seinem Wirken hat er immer die Verbindung von deutschem Nationalgefühl und Weltbürgertum vorgelebt, die als Aufgabe vor uns allen steht. Die Diktatur Hitlers hat ihm die Rückkehr von England, wo er sich damals aufhielt, nach Deutschland unmöglich gemacht, er ist heute britischer Staatsangehöriger, hat aber die Verbindung zur alten Heimat nie verleugnet und nie verloren. In seinem Beruf hat er viele bedeutende Menschen kennengelernt und erzählt farbig und anregend von ihnen, und seinen Erlebnissen.

Die große politische und soziale Reportage will mehr als nur anschaulich schildern: sie soll gleichsam transparent sein, gesellschaftliche und politische Entwicklungen sollen auch im schnell erhaschten Augenblicksbild sichtbar werden. Hermann Schreiber ist ein Meister dieser Kunst. Sein Blatt, die „Stuttgarter Zeitung“, hatte ihn auf viele Reisen geschickt, vor allem in die Bundesrepublik. Er hat Menschen und Zustände mit weit offenen Augen erlebt, und er erzählt von ihnen sehr lebendig. Aber am Ende hat der Leser mehr erfahren als nur den Ablauf von Ereignissen, die Gesichter von Menschen, das Drängen der Massen, die Ausrufe der Mächtigen. Hermann Schreiber ist ein nachdenklicher Beobachter, nicht nur ein schneller Erzähler. Seine Neugier geht auf mehr als auf den äußeren Ablauf, und der Leser wird von dieser Neugier mit ergriffen. Er stimmt mit dem Autor darin überein, daß unsere Gegenwart von einem eigentümlichen Zeitgefühl zwischen Noch-nicht und Nicht-mehr bestimmt ist. Schreiber nährt bewußt den Argwohn, „daß Deutschlands Zukunft, an die Fichte uns zu glauben hieß, noch immer, nicht begonnen hat.“ So ist dieses Reportagebuch ein Stück Zeitgeschichte geworden. Paul Sethe