Landrat Fischer fand ein Loch im Eisernen Vorhang

München

Bei Geheimrat Appelt promovierte Max Fischer mit dem Thema „Die Doppelstellung des bayerischen Landrates“. Heute ist Fischer, 37 Jahre alt, selber Landrat. Und zwar in einem bayerischen Landkreis, der nicht gerade zu den reichen gehört, in dem Kreis Cham. Grenzland-Landkreise haben immer ihre vertrackten Probleme und brauchen Landräte, die sich etwas einfallen lassen. Dr. Max Fischer betrachtet denn auch sein Amt, in das er am 1. Dezember 1959 gewählt wurde, nicht als eine Pfründe, wie mancher seiner Amtsbrüder. Im Gegenteil. Die Interessen seines Landkreises vertritt Fischer so temperamentvoll, daß er sich sogar nicht scheut, politisches Glatteis zu betreten. Die Münchner Ministerien wissen davon ein Lied zu singen.

Immerhin ist es der Initiative Fischers zu verdanken, daß in wenigen Wochen die Grenzübergangsstelle zur Tschechoslowakei bei Furth im Wald – auf der „anderen Seite“ liegt der Ort Vollmau – wieder geöffnet wird, nach 15 Jahren. Max Fischer war in den vergangenen Jahren öfter in Prag gewesen, als Privatmann. Er hat nie ein Aufhebens davon gemacht. Aber da nun einmal sein Landkreis an die Tschechoslowakei grenzt, wollte er auch wissen, wie es dort drüben aussieht.

Nachricht aus Prag

Nun hat Fischer einen Freund in Furth, den ehemaligen Schrotthändler Franz Pierl. Pierl kommt ebenfalls öfter nach Prag, der Geschäfte wegen. Er schmilzt nämlich Aluminiumschrott zu Barren zusammen, und das Rohmaterial kommt zum größten Teil aus der Tschechoslowakei.

Eines Tages nun, im letzten Januar, kam Pierl aus Prag zurück und erklärte Fischer, daß sich in Sachen Grenzübergang drüben einiges tue, daß die Prager gern mit deutschen Stellen – zunächst natürlich unverbindlich – über eine Wiedereröffnung des Grenzüberganges Furth sprechen möchten. Landrat Fischer griff sofort zu. Er wollte nach Prag. Sicherheitshalber informierte er jedoch diesmal Bundesinnenminister Höcherl, Bayerns Innenminister Junker und auch Ministerpräsident Goppel in München, alles Parteifreunde. Die zeigten keine große Begeisterung, einmal, weil sie das Gefühl hatten, das Auswärtige Amt könne die Reise und ihren Zweck in den falschen Hals bekommen; zum anderen, weil erfahrungsgemäß doch nicht viel dabei herausspringe. Aber die Genehmigung zur Reise erhielt Fischer doch. So fuhr er denn am 23. Januar nach Prag.