In der von Jahr zu Jahr steigenden Flut der Reiseführer, Karten, Bildbände und länderkundlichen Neuerscheinungen findet sich der Urlaubsaspirant kaum mehr zurecht. Ständig wächst die Zahl derer, die sich einem Reisebüro anvertrauen oder ihre Ferien von einem der Reiseunternehmungen kollektiv vorplanen lassen, die zu ihrer Information nicht viel mehr brauchen als die bunten Prospekte "mit viel schönen Reden", die mehr oder weniger das Blaue vom Himmel versprechen. Aber gottlob gibt es noch Urlaubsfahrer, die nach der Devise, daß Vorfreude gewiß nicht die schlechteste der Freuden sei, über Führern und Karten gebeugt, die Reise selber gründlich vorbereiten möchten.

Die Übersicht ist heute um so schwieriger, als der moderne Tourismus ein wetterwendisches, schnellebiges Wesen ist, stets auf neue Ziele aus. Waren es gestern Dänemark, Holland, die Schweiz, Österreich und Italien, um einstweilen das eigene Vaterland aus dem Spiel zu lassen, so sind es heute Finnland, Jugoslawien, Spanien, Griechenland und die nördlichen Randländer Afrikas, und schon sind, nach den Kanarischen Inseln, Südafrika, Madagaskar oder gar das Karibische Meer in die Interessensphäre der Touristen gerückt. Die meisten der hier erwähnten Reisebücher wurden bei ihrem Erscheinen im Reiseteil der ZEIT schon erwähnt.

Die Verleger haben Mühe, diesen Launen und der Geheimpsychologie des Publikums zu folgen. Auf der Jagd nach der Konjunktur kommt es deshalb nur allzu oft vor, daß sich in einer Buchsaison gleich mehrere auf dasselbe Thema stürzen und daß allzu schnell gearbeitet wird, was gerade der Reiseliteratur aller Sorten schlecht bekommt, denn als erstes verlangt der Benutzer zuverlässige Unterrichtung, und darauf sollte der Käufer achten, wenn er sich mit diesem Rüstzeug (nicht mit den Reiseschmökern für den Zeitvertreib zu verwechseln) versorgt.

In einer solchen Betrachtung verdient der klassische Baedeker den Vortritt, schon wegen seines ehrwürdigen Alters und des unverblaßten Glanzes der Sternchen, die von ihm für Sehenswürdigkeiten einst eingeführt worden sind. Die bekannten roten Bände sind inzwischen zu einer stattlichen Bibliothek gewachsen. In den beiden letzten Jahren sind als Neuauflagen, sorgfältig aktualisiert, "Schleswig-Holstein" (22 Mark), "Hamburg und die Niederelbe" (18,50 Mark) sowie "Nordbayern/Ostbayern" (22 Mark) erschienen. Neben dem altbewährten Reisehandbuch, dem Senior unter den deutschen Reiseführern (Verlag Karl Baedeker, Freiburg i. Br.), hat sich, im Folioformat, die Reihe "Baedekers Autoreiseführer" (Baedekers Autoführer-Verlag, Stuttgart. Band je 19,80 Mark) übrigens nicht nur bei den Autofahrern, sondern auch bei nichtmotorisierten Leuten durchgesetzt. Daneben sind die Blauen Führer (Hachette) aus dem Französischen (Deutsche Auslieferung Zumsteins Landkartenhaus, München) anerkannt, weil sie ausführlich und zuverlässig sind.

In Mairs Geographischem Verlag, Stuttgart, erscheint alljährlich der Große Shell-Atlas für Deutschland und Europa, von dem auf der "Bauchbinde" für die 10. Auflage von 1964/65 (21,50 Mark) glaubhaft versichert wird, daß er bei uns der meistgekaufte Auto-Atlas sei, mit Recht, wie mir scheint. Die Serie der Stadtpläne ist wiederum ergänzt und eine Tabelle für alle Feriengebiete Europas über das Klima in den verschiedenen Jahreszeiten hinzugefügt worden. Von Jahr zu Jahr wächst dieser Atlas um gute Reiseweisheit und verbesserte Karten.

Mit der großen Reisekarte hat dieser Verlag einen Typ geschaffen, der kartographisch die wichtigsten Länder im Maßstab 1 : 500 000 oder 1:750 000 mit einer Anzahl von Nebenkarten von Landschaften und Städten erfaßt. Schnell auffalzbar verbinden die übersichtlichen Blätter (je 3,80 Mark) äußerste Genauigkeit mit reichhaltiger Markierung auch landschaftlicher Besonderheiten und kultureller Sehenswürdigkeiten, stellen zusätzlich also einen Reiseführer im Telegrammstil dar. Die neuesten Ausgaben dieser roten zellophanierten Automobilkarten gelten Spanien, Skandinavien und Jugoslawien/Griechenland. Wer brav im eigenen Vaterland reisen will, sei (im selben Verlag) auf die Deutsche Generalkarte im Maßstab 1 : 200 000 mit 26 Einzelblättern zu je 2,50 Mark hingewiesen, die zusammen in einem durablen Schuber zu kaufen sind. Die durchschnittlich im Jahr neu herauskommenden acht bis zehn Blätter können zum Auswechseln im Abonnement nachbezogen werden.

Wie der Große Shell-Atlas hat auch die 22. Auflage des IRO-Autoatlas Deutschland (IRO-Verlag, München, 14,50 Mark) die Ausbaustufen des deutschen Autobahnnetzes für dieses und das kommende Jahr besonders gekennzeichnet. Die neue Ausgabe (im Maßstab 1 : 400000) umfaßt auf 120 Kartenseiten das gesamte Deutschland, die Schweiz und Westösterreich sowie Durchfahrtspläne von 99 deutschen Städten. Der Teil "Europäische Länder" ist durchweg im Maßstab 1:250 000 gehalten. Willkommene Bereicherung ist ein Verzeichnis der deutschen Heilbäder und Kurorte.