Von Ingeborg Haase

Wann werden Sie Hussel verkaufen?“ Die provozierende Frage entlockt dem jugendlich-lebhaften Gesicht des 59jährigen mexikanischen Honorarkonsuls Herbert Eklöh ein amüsiertes Lächeln. Nein, er gehört nicht zu jenen Menschen, deren unternehmerischer Drang sich auf eine „Gründerzeit“ konzentriert und die dann ein Geschäft aus Prinzip verkaufen, sobald es mit einem großen Einsatz an Ideen aufgebaut ist und sich nun anschickt, anhaltend zu blühen.

Dennoch, die Frage kam nicht von ungefähr. Seit das New Yorker Bankhaus Oppenheimer & Co. im vorigen Jahr an bevorzugte Kunden einen 17 Seiten starken Prospekt verschickte, in dem die Rudolf Hussel AG in den rosigsten Farben geschildert und den Kunden der Kauf von Hussel-Aktien warm ans Herz gelegt wurde, geht in der Branche das Rätselraten um: Verkauft Eklöh nun, oder verkauft er nicht?

Daß er es fertig bringt, sich von einem gerade aufgebauten, gut florierendem Unternehmen zu trennen, hat Eklöh 1959 gezeigt, als er die Herbert Eklöh KG. a. A. an die Kaufkonzerne Karstadt, Kaufhof, Hertie und Horten verkaufte. Doch an seinen Hussel-Aktien will er festhalten. „Man arbeitet nicht über 30 Jahre lang am Aufbau eines Lebensmittel-Filialnetzes, man ist nicht Selbstbedienungs-Pionier, bloß um alles immer nur verkaufsreif zu machen.“

Es waren andere Gründe, die Eklöh im Juli 1959 veranlaßten, seinen 30 Läden umfassenden Filialbetrieb zu verkaufen – hochmoderne, weiträumige Selbstbedienungsläden zwischen Bonn und der Waterkant, darunter der 1937 in der ehemaligen Kölner Rheiniandhalle eingerichtete erste Supermarkt der Bundesrepublik mit der heute noch imponierenden Verkaufsfläche von 2 000 Quadratmeter und einem Jahresumsatz von fast zehn Millionen Mark. Der Grund war Eklöhs Glaube an die Expansion als unternehmerisches Grundgesetz.

„Ein Unternehmer mit einem jährlichen Hundert-Millionen-Umsatz muß weit vorausdenken. Ich erkannte die Notwendigkeit einer erheblichen Expansion. Die war aber nicht möglich ohne bedeutende Summen fremden Geldes. Doch davor graute mir. Ich wollte nicht in meiner eigenen Firma in die Minorität rutschen. Ich bin zwar Einzelhändler in der fünften Generation, aber unsere Familientradition bestand bisher darin, daß niemand je von der Vorgeneration irgendein Vermögen erbte. Eine weitere Expansion der Eklöh KG. a. A. war für mich zu schwierig.“

Die Firma heißt heute Herbert Eklöh GmbH., umfaßt jetzt etwa 40 Läden, das Stammkapital ist unter den vier Kaufhauskonzernen gleichmäßig aufgeteilt, und eine eigens zu diesem Zwecke gegründete Holding, die Argus GmbH., sorgt für die richtige Verrechnung von Gewinn und Verlust.