Bonn

Zum zweiten Male in vierzehn Tagen sah sich der Bundestag gezwungen, einen Fall zu behandeln, der nach Meinung des CDU-Abgeordneten Buehler zu einem „Skandal“ des Auswärtigen Amtes werden wird. Vergeblich hatte Buehler seinen Außenminister beschworen, endlich einzugreifen, um die Affäre abzuwenden. Gerhard Schröder indes schlug die Warnung in den Wind. Er ließ zu, was Buehler ursprünglich verhindern wollte: Vor aller Öffentlichkeit prangerten SPD-Abgeordnete die in Bonn verschuldeten ausländischen Diplomaten an und attackierten das Auswärtige Amt wegen mangelnder Unterstützung deutscher Staatsbürger.

Gegenstand der spektakulären Erörterung war ein Streit des Remagener Heimatkarten-Verlegers Karl Kollbach mit der koreanischen Botschaft in Bonn. Kollbach jagt seit acht Jahren koreanischen Mietschulden nach, die sich auf über 100 000 Mark belaufen und den finanziellen Ruin der Remagener Familie herbeiführten.

Es war im Jahre 1954, als die koreanische Regierung beschloß, diplomatische Kontakte mit Bonn anzuknüpfen und den damals 55jährigen Dr. Hanho Rhi zum Generalkonsul für Westdeutschland zu bestellen. Rhi, der sich rühmte, Ex-Weltmeister im Judo und ein Verwandter des Korea-Präsidenten Syngmann Rhee zu sein, hatte bis dahin Parfüms und Fleckenwasser in der Schweiz hergestellt. Jetzt kam er nach Bonn und suchte Kanzlei und Residenz für Korea.

Mit Unterstützung des Wohnungsbauministeriums mietete er die Kollbachsche Zehn-Zimmer-Villa einschließlich 10 000 Quadratmeter Park- und Gartenanlagen. Kollbach wollte ursprünglich das Anwesen seiner Frau verkaufen, gab jedoch dem Drängen des auf Haus und Hof erpichten Konsuls nach und vermietete auf zehn Jahre. Monatlicher Mietpreis 1000 Mark. Konsul Rhi jedoch wohnte nur zwei Jahre in Remagen. Dann berief ihn die Regierung in Seoul wegen Unregelmäßigkeiten bei der Bonner Amtsführung ab.

Rhis Nachfolger, Vizekonsul Day Young Park, erhielt Order, sich nach neuen Diensträumen umzusehen. Es kündigte Park den Mietvertrag, der allerdings nur kündbar sein sollte, wenn Bonn nicht mehr Sitz der Bundesregierung sei. Kollbach erhob Einspruch, und Park sah auch ein, daß man den Vertrag einhalten müsse. Er bot eine Abstandssumme, um aus dem Vertrag entlassen zu werden.

Vermieter und Mieter wären sich handelseinig geworden, hätte nicht just das Auswärtige Amt dem Koreaner gezeigt, wie man die Klippen eines deutschen Mietvertrages sicher umschiffen kann. Das AA animierte den Vizekonsul, er solle nicht zahlen. Grund: Nicht Korea, sondern Ex-Konsul Rhi sei aus dem Mietvertrag verpflichtet. Eilends zog Park sein Angebot zurück und hielt Kollbach vor, was ihm das AA nahegelegt hatte: er solle sich an Rhi halten.