Mit der Umgruppierung der Besitzverhältnisse bei der Robert Bosch GmbH, Stuttgart, ist das Unternehmen zur größten Industriestiftung der Bundesrepublik geworden, ohne den Familiencharakter völlig aufzugeben. Es wird ein Beispiel gegeben, wie es einem Familienbetrieb im Zeitalter der Großunternehmen möglich ist, sowohl mit der Entwicklung Schritt zu halten wie auch seine Unabhängigkeit und die Kontinuität der Geschäftsführung zu sichern, ohne Gefahr laufen zu müssen, überfremdet zu Werden. Das Bemerkenswerteste an der neuen Konstruktion ist jedoch die Tatsache, daß sie in ihren Grundzügen bereits vom Gründer der Firma, Robert Bosch, in den dreißiger Jahren entworfen und dem Testamentvollstreckergremium vermacht worden ist.

Die beiden Ziele von Robert Bosch – kontinuierliche Geschäftsführung eines unabhängigen Unternehmens und Verwendung der Erträge für das Gemeinwohl – werden nun von zwei Gesellschaften verwirklicht. Die Vermögensverwaltung Bosch GmbH, die bereits 1921 von Robert Bosch für gemeinnützige Zwecke gegründet worden war, hat von der Familie Bosch Geschäftsanteile der Robert Bosch GmbH in Höhe von 155 Millionen DM (86 Prozent des Bosch-Stammkapitals von 180 Millionen) erworben zu einem Preis, der wesentlich unter dem effektiven Wert der Anteile liegt. Die Dividenden aus diesem Kapital muß die Vermögensverwaltung überwiegend für gemeinnützige Zwecke verwenden; zum Teil wird daraus der Kaufpreis für die übernommenen Anteile – über Jahrzehnte verteilt – gezahlt, so daß die Robert Bosch GmbH von der Transaktion nicht berührt ist. Um den gemeinnützigen Zweck zu unterstreichen, übt die Vermögensverwaltung das Stimmrecht aus ihren Anteilen nicht aus und ist damit ohne Einfluß auf die Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH. Das Stimmrecht liegt vielmehr bei der neugegründeten Robert Bosch Industriebeteiligung GmbH, die dazu einige Bosch-Anteile von der Vermögensverwaltung übernommen hat. Die industriebeteiligung GmbH, die künftig die Geschäftspolitik der Robert Bosch GmbH bestimmt und damit die Nachfolge des bisherigen und am 16. Juni aufgelösten Testamentvollstreckergremiums übernommen hat, verfügt über 60 Stimmen, während die Familie Bosch aus den ihr verbleibenden Anteilen von 25 Millionen DM 10 Stimmen in der Gesellschafterversammlung der Robert Bosch GmbH haben wird. Um auch mit der Industriebeteiligung die Kontinuität der Geschäftsführung sicherzustellen, sind die Geschäftsstelle an dieser Gesellschaft weder verkäuflich noch vererbbar. Der Kreis der Gesellschafter ergänzt sich bei Ausscheiden eines Mitglieds durch Kooption.

Mit dieser Neuordnung hat sich die Robert Bosch GmbH ein stabiles und gegen äußere Einfüsse gesichertes Fundament für ihre künftigen Aufgaben geschaffen. Sie ergeben sich einmal aus den größer werdenden Märkten sowie aus dem Umstand, daß Bosch in zunehmendem Maße Lieferant nicht nur der deutschen, sondern auch der internationalen Automobilindustrie wird. Deshalb wird die Gesellschaft nun nach der Dezentralisierung ihrer Produktionsorganisation in sechs selbständige, Entwicklung, Fertigung, Vertrieb und kaufmännische Verwaltung umfassende Produktionsgruppen (Autoelektrik, Einspritzausrüstung und Hydraulik, industrielle Ausrüstung, Halbzeug, Elektrowerkzeuge, Haushaltgeräte) auch eine kontinental-europäische Arbeitsteilung einleiten mit dem Ziel, daß künftig ein Bosch-Erzeugnis nur in einem europäischen Werk hergestellt wird. Damit sollen optimale Produktionsserien erreicht werden, die der künftige härtere Wettbewerb erfordert. Die ersten Maßnahmen hierzu sind bereits mit der französischen Beteiligungsgesellschaft Les Constructeurs Asocies SA eingeleitet worden, die 1962 gemeinsam von Bosch und der Precision Mécanique Labinal SA gegründet worden war. Bosch hat nun von seinem Gründungspartner dessen Anteile an der Constructeurs Asocies übernommen. Ferner soll in absehbarer Zeit in Europa außerhalb der EWG ein neues Werk errichtet werden. In Südamerika wird die brasilianische Tochtergesellschaft weiter ausgebaut. Fernziel ist hier, die Bosch do Brasil zum Lieferanten des vorgesehenen gemeinsamen lateinamerikanischen Marktes zu machen. C. D.