Vor einigen Wochen wurde dem Schriftsteller Friedrich Griese in Ratzeburg der „Mecklenburgische Kulturpreis“ verliehen. Karl Otto Conrady, Ordinarius für Literaturwissenschaft in Kiel, kam in der ZEIT (Nr. 27/64) auf diese Preisverleihung zu sprechen: um die Ehrung eines repräsentativen Blut-und-Boden-Dichters nicht einfach mit Stillschweigen“ zu übergehen. Wir wollen dem Betroffenen, dem heute dreiundsiebzigjährigen Friedrich Griese, die Möglichkeit nicht vorenthalten, Stellung zu nehmen – obwohl sich Conradys Angriff nicht gegen ihn, sondern gegen seine Preiskrönung richtete. Darum drucken wir hier Grieses Erwiderung – und ein Schlußwort von Professor Conrady.

Conrady bringt aus meinem Lebensbericht – 1934 bei Junker und Dünnhaupt erschienen – das Wort von der Lösung einer der ernsthaftesten Volksfragen und zielt damit auf die überaus bekannte Phrase von Blut und Boden, nach ihm ein Gemengsel von unrealistischer Wirrnis und Dumpfheit, wozu sie tatsächlich gemacht wurde.

Aber der Herr Professor zitiert sehr schlecht, weil er nur den einen, dann nach Belieben deutbaren Teil bringt und den andern nicht erwähnt.

In dem von ihm nicht genannten Teil wehre ich mich gegen Wirrnis und Dumpfheit und berufe mich darauf, daß ich die Dinge stets realistisch gesehen habe: „Damit kann niemals der Wille ausgedrückt werden, aus unserem Volk einen Haufen von Ackerbauern und Viehtreibern zu machen, es würde genug Mut und Mittel haben, sich dagegen zu wehren.“ Und weiter gehört zu diesem Teil – immer noch im selben Absatz – das Wort: „Ich habe mich in meinen Büchern immer nur gemüht, von der Zusammengehörigkeit zwischen dem Boden und all seinem Lebendigen und dem Menschen zu handeln.“

Was der Herr Professor also nicht angibt, ist: daß ich in diese Zusammengehörigkeit auch die stumme Kreatur, das Tier, und überhaupt alles Lebendige mit einbeziehe. Jene Phrase verengte das, was ich immer gemeint hatte, dadurch, daß sie den einen und äußerlich sogar überragenden Bestandteil herausnahm und nur die beiden andern gelten ließ: den Menschen und den ihm gehörigen Boden. Das war eine Verfälschung meiner Grundauffassung, wie es nun abermals eine Verfälschung durch den Herrn Professor ist, der dann noch erklärt, das so von ihm zustandegebrachte Stückwerk sei das von mir gemeinte Ganze.

Hierzu behauptet er, ich sei derjenige, der den Haufen der Lobpreiser von Blut und Boden angeführt hätte. Ja? In meinem Buch vom „ebenen Land“, erschienen 1936 bei Bruckmann, das neben anderen Büchern dem Herrn Professor als eine unerläßliche Unterlage hätte dienen müssen, heißt es: „Erschwert wird die Aufgabe jedem ernsthaften Betrachter dadurch, daß fast alle Begriffe der dörflichen Welt von dem Heer der Lauten und Dreisten immer wieder aufgenommen und damit ihrer inneren Beweiskraft beraubt werden.“ Ist das klar?

Es bleibt im Zuge seines Vorgehens gegen mich, wenn der Herr Professor behauptet, ich sei 1933 in die „gleichgeschaltete Dichterakademie eingezogen“. Tatsache ist, daß ich der letzte war, der durch Zuwahl der Mitglieder „einzog“. Einer von ihnen war Oskar Loerke, und der Herr Professor weiß wohl noch, wer das war? Wenn unter Gleichschaltung verstanden werden soll, daß die Mitglieder berufen wurden, dann war das später. Ich war einmal dabei und weiß heute nicht mehr, ob sie dann überhaupt noch wieder getagt hat.