Der 27. Juli 1964 ist ein Datum, das sich Notenbankhistoriker künftighin werden merken müssen. An diesem Tag gab die Deutsche Bundesbank ihre ersten Noten über den stolzen Nennwert von 1000 DM heraus. Sie folgte damit einer Tradition; denn bereits 1876 präsentierte die damalige Reichsbank dem noch in den Kinderschuhen steckenden Deutschen Reich ihren Tausender. Zum anderen aber entsprach sie, wie die Bundesbank offiziell mitteilte, "einem schon seit Jahren wiederholt von der Wirtschaft in sie herangetragenen Wunsch".

Das Gesetz über die Deutsche Bundesbank vom 26. Juli 1957 übertrug der Nachfolgerin der Bank deutscher Länder die Aufgabe, den Notenumlauf zu regeln. Diese nüchterne juristische Klausel besagte, daß neue Banknoten notwendig wurden.

Nach dem Krieg war der Wert der seinerzeit gültigen Reichsmark auf ein Minimum herabgerutscht. Nicht die abgegriffenen Scheine und ihre Zahlenangaben waren der Maßstab aller Dinge – es gab sie ja im Überfluß –, Leitstern der Währung war die amerikanische Zigarette. Nach der Währungsreform flatterten dann die ersten "Deutschen Mark" amerikanischer Provenienz durch die Lande, nicht gerade ein Paradestück moderner Druck- und Banknotentechnik. Dann trat die Bank deutscher Länder mit ihren, auch noch aus dem Ausland stammenden Scheinen auf den Plan. Sie trugen die Unterschriften des damaligen Präsidenten Vocke und Vizepräsidenten Koenneker.

Als mit der Umwandlung in eine "Deutsche Bundesbank" Präsident Blessing und sein Vize Dr. Troeger in den trutzigen Bau der früheren Reichsbank an der Frankfurter Taunusanlage einzogen, lag es auf der Hand, daß eine neue Serie von Banknoten fällig war. Am 24. April 1958 unterrichtete Direktoriumsmitglied Koenneker den Zentralbankrat, das oberste Gremium unserer Währungshüter, von dem Beschluß des Bundesbank-Direktoriums, man werde im Laufe der nächsten Jahre eine neue Serie von Banknoten ausgeben, eine Reihe mit sieben Nennwerten: Noten zu fünf, zehn, zwanzig, fünfzig, einhundert sowie fünfhundert und tausend Deutsche Mark, wobei die Scheine zu 500 und 1000 DM für die Bundesbank ein Novum waren.

Auf Motivsuche

"Wir haben viele Bücher gewälzt, Museen aufgesucht und Gemälde verglichen", berichtet der stellvertretende Leiter der Bundesbankhauptkasse, Direktor Heinz Kempe. Schließlich ist das Bild, das auf einem Geldschein prangt, ein wichtiges Problem. Hier bereits setzt zumeist die Kritik an den neuen Banknoten ein. In Abwehr derart hämischer Kritikaster und Ästheten schränkt die Bundesbank sogleich ein: "Banknotenbilder können schon aus Gründen des Fälschungsschutzes nicht den Anspruch erheben, reine Kunsterzeugnisse zu sein."

Als die Bundesbank also im Verein mit Künstlern und Wissenschaftlern auf Motivsuche ging, galt es, wiederum mit einem Blick auf die Tradition der Reichsbank, Köpfe zu finden. Ein Kopf auf einer Banknote gilt erfahrungsgemäß als sicher – gegenüber solch ambitiösen Menschen, die nach der Do-it-yourself-Methode in emsiger Heimarbeit durch eifriges Notendrucken schnell reich zu werden gedenken. Sie lassen sich auch nicht von dem barschen Straftext auf den Noten abschrecken: "Wer Banknoten nachmacht oder verfälscht oder nachgemachte oder verfälschte sich verschafft und in Verkehr bringt, wird mit Zuchthaus nicht unter zwei Jahren bestraft."