Die Ära Kennedy-Johnson ist vorbei. Sie begann im Sommer 1960, als Robert Kennedy im Auftrag seines Bruders dem Rivalen Lyndon B. Johnson die Vizepräsidentschaft antrug. Sie endete im Sommer 1964, als Lyndon B. Johnson dem Rivalen Robert Kennedy die Vizepräsidentschaft ausschlug. Der US-Präsident verpackte diese bittere Pille für die Kennedy-Lobby in eine schonende Pauschalerklärung: Kein Kabinettsmitglied solle für die Vizepräsidentschaft kandidieren.

Für Justizminister Kennedy kam Johnsons Entscheidung nicht unerwartet. Bereits im Juni sagte er: "Ich bin der letzte in der Welt, den er sich wünschen kann, weil ich Kennedy heiße, weil er eine Johnson-Regierung ohne Kennedys braucht, weil wir verschiedene Ansichten haben, und weil ich ihnen im Süden einige Stimmen kosten würde." Durch sein Eintreten für die Bürgerrechte zugunsten der Farbigen hat er sich im Süden unbeliebt gemacht. Darum erschien Johnson, angesichts seines Gegenspielers Goldwater, die Aufstellung Kennedys zu riskant.

Vergebens legte der Präsident dem Justizminister nahe, von sich aus das Rennen aufzugeben. Auch sein Angebot, Robert Kennedy solle, wie schon 1960, den demokratischen Wahlkampfmanager spielen, stieß vorläufig auf taube Ohren.

Noch haben die Familie Kennedy und ihre Freunde, darunter Kardinal Cushing und Staatssekretär Averell Harriman, nicht alle Hoffnungen für Robert fahren lassen. Senator-Bruder Edward ermunterte ihn vom Krankenlager aus, und Präsidentenwitwe Jacqueline wäre sogar bereit, beim Parteikonvent in Atlantic City am 24. August für ihn einzutreten. Robert Kennedys vorläufig letzter Kommentar: "Ich erwarte vom Konvent eine führende Rolle."