Das Telephongebühren-Spektakel ist zu Ende. Erhard blieb hart. Strauß fiel um. Aber wer ist wirklich als Sieger aus diesem sommerlichen Scharmützel hervorgegangen? Die Parteien, die ihre Sorge um das öffentliche Wohl demonstrierten, indem sie die Abgeordneten aus den Ferien zurückriefen? Ganz gewiß nicht. Alle Fäden dieses innenpolitischen Schauspiels liefen in der Redaktion eines Boulevard-Blattes zusammen. Nicht einmal die Opposition kann der publikumswirksamen, außerplanmäßigen Parlamentsdebatte froh werden, nachdem bekannt ist, daß sie mit Strauß und "Bild" paktierte.

Es ist dem CSU-Chef trotz oder gerade wegen seines Einlenkens gelungen zu demonstrieren, daß Erhard auf die CSU angewiesen ist, daß Strauß wieder eine auch vom Kanzler nicht zu übersehende politische Potenz ist.

Spätestens in der vergangenen Woche müßte es Erhard klargeworden sein, daß er nicht als "Kanzler des ganzen Volkes" über den Parteien regiert. Er ist nun einmal der Kanzler der CDU/CSU. Und um zu regieren, braucht er zunächst Autorität in seiner eigenen Partei.

Erhard muß jetzt hinabsteigen vom Thron des allseits geliebten Volkskanzlers und sich auf einer Ebene zur Auseinandersetzung stellen, auf der seine Gegner mit allen Mitteln manövrieren. Er muß sich – so schwer es ihm auch fallen mag – mit den Intrigen und Ränken in der Partei auseinandersetzen. Nachdem er es versäumt hat, sich rechtzeitig den Parteivorsitz zu erzwingen, und nachdem in München die Männer, die an den Machthebeln der Parteiorganisation sitzen, es bereits ausnahmslos wagten, sich gegen ihn zu stellen, wird diese Auseinandersetzung nicht leicht sein.

Aber Erhard hat eine Karte, die sticht. Die Unionsparteien brauchen ihn für den Wahlkampf. Auch Strauß weiß, daß er nur mit Erhard wieder ins Kabinett kommt. Bis zur Wahl bleibt dem Kanzler also Zeit, seine Gegner in die Schranken zu weisen, nicht mit Appellen und Grundsatzerklärungen – sondern dadurch, daß er in den parteiinternen Machtkampf eingreift. Um mit Franz Josef Strauß zu sprechen: "Der Kanzler kann den Entscheidungen nicht länger ausweichen und sie durch Gesundbeterei ersetzen."

K.H.