Eine Koalition von Unzufriedenen, Föderalisten, braven Mittelständlern und Jungmillionären

Wer sind die Leute, welches sind die Kräfte, die Goldwater zu seinem großen Erfolg verhelfen haben? Wie ist es möglich, daß ein Land, dessen Gesicht uns so vertraut schien, plötzlich so ungewohnte Züge erkennen läßt? Dies sind Fragen von entscheidender Bedeutung. "Newsweek" hat 30 Redakteure und Korrespondenten, die Goldwaters Kampagne in allen Staaten beobachtet und analysiert haben, diese Frage beantworten lassen. Hier das aufschlußreiche Ergebnis.

Wer sind die Männer hinter Barry Goldwater? Wem verdankt er seinen sensationellen Aufstieg? Bei der Wachablösung in San Francisco traten sie, aller Welt sichtbar, ins erste Glied der Republikanischen Partei. Vier Jahre lang hatten sie Goldwater in zäher Kleinarbeit den Weg zur Höhe geebnet. Fast unmerklich war der Parteiapparat in ihre Hand geraten. Eine kleine Minderheit, die nun der Partei das Gesetz des Handelns diktiert und auch der Nation ihren Stempel aufdrücken möchte.

Die "Goldwateristen" verkörpern einen neuen Typus in der amerikanischen Politik, eine buntscheckige Kreuzung. Einige dürsten nach mehr Autorität, andere haben eine fast kindliche Freude an der IBM-Technologie des modernen Wahlkampfes, wieder andere träumen von einem Paradiesesgarten freier Marktwirtschaft.

Sie alle sind beileibe keine Geschöpfe Goldwaters. Von ihm ging lediglich der erste Appell zur konservativen Sammlung aus. 1960, beim Parteikonvent in Chicago, in der Stunde höchsten Triumphes für Richard Nixon, klopfte er dem verlorenen Häuflein vom rechten Flügel, das seit 1940 eine Schlappe nach der anderen hatte einstecken müssen, ermunternd auf die Schultern: "Let’s grow up, Conservatives! Wollen wir diese Partei zurückerobern, und das können wir eines Tages, dann laßt uns ans Werk gehen."

Kampf um die Macht

Ein Rufer in der Wüste, dachten die liberalen Republikaner geringschätzig. Aber die junge Mannschaft auf den unteren Rängen nahm den Ruf begierig auf. Vom Osten eilten tatendurstige Parteitechnokraten herbei, die ungeduldig auf den Abtritt der im Dienst ergrauten Honoratioren warteten. Ihnen gesellten sich die Ideologen hinzu, Prediger eines neuen Konservativismus, denen die alten Parteibosse viel zu gemäßigt waren. Aus dem Süden kamen opportunistische Karrierepolitiker und Organisationsgenies. Der Mittlere Westen stellte junge, im Konservativen beheimatete Berufspolitiker, die ihren Einfluß zu vergrößern trachteten. Und aus dem ganzen Land ertönte das Echo der, zumeist unpolitischen, Neureichen, der vierzigjährigen Millionäre, die aus Sorge um ihr Vermögen dem allzu mächtigen Staat die Flügel stutzen möchten.