Von Günther Wolf

Keine schlechte Idee: dem zurückgebliebenen deutschen Kriminalroman durch einen wohldotierten Literatur-Preis auf die Sprünge zu helfen. Wilhelm Goldmann, dessen Verlag seit rund vierzig Jahren den deutschen Markt mit Krimis versorgt, der 1927 mit der „Bande des Schreckens“ hierzulande die Wallace-Welle auslöste, Goldmann also stiftete – das amerikanische Vorbild, den Edgar Allan Poe Award der mystery writer-Gilde vor Augen – den (mit 15 000 DM ausgestatteten) Edgar-Wallace-Preis, „durch den Autoren deutscher Sprache ausgezeichnet und gefördert werden sollen“.

Nun ließe sich darüber streiten, ob ausgerechnet Edgar Wallace das rechte Vorbild für einen Kriminalroman-Autor von heute ist; Kritiker und Kriminalroman-Experten wie Howard Haycraft, Julian Symons und Fritz Wölcken sind der Meinung, er habe, strenggenommen, nicht einen einzigen musterhaften Kriminalroman zustandegebracht – höchstens Schauergeschichten ohne Logik, nur darauf angelegt, den Leser mit schlimmen Tricks wie Falltüren, unbekannten Pfeilgiften und geheimnisvollen Chinesen für dumm zu verkaufen. Wahr ist, daß Wallace ständig in Geldnot war. Daher seine rasenden Diktate („Die seltsame Gräfin“ entstand in vier Tagen!); für stabile Konstruktionen und reinigende Stilkorrekturen fehlte ihm die Zeit. Und wahr ist auch, daß er eine regelrechte Story-Maschine war, ein Mann von wuchernder Phantasie.

An Phantasie fehlt es den beiden ersten Wallace-Preisträgerinnen nicht. Dennoch zeigen die Romane

Herma Costa: „Die Party in Starnberg“; Wilhelm Goldmann Verlag, München; 178 Seiten, 2,40 DM

L. A. Fortride: „Die Wohnung gegenüber“; Wilhelm Goldmann Verlag, München; 208 S., 2,40 DM

Schwächen, die typisch für deutsche Krimis sind. Herma Costa rollt einen „Unglücksfall“ auf, der natürlich ein Mord ist. Das ist selbst einem nur mittelmäßig scharfsinnigen Leser ab Seite 9 klar. Doch die Autorin ziert sich noch auf Seite 68, wohl in der Annahme, dies Verfahren erhöhe die Spannung. Und überholt ist auch romantische Spannungs-Mache: „Was war das für eine unbestimmte, unerklärliche Angst, die sich wie eine giftige Wolke über das Haus, ja über den ganzen Ort gebreitet hatte und alles mit der Ahnung nahenden Unglücks verdüsterte?“ Sonst ist die Story vom Playgirl Jenny, das im Starnberger See endete, listig ersonnen. Aber es wimmelt in diesem Roman von überdeutlichen Anspielungen, rührendsten Irreführungen und antiquierten Gags (der Held und „Detektiv“ Toni Franck entgeht einem Mordanschlag, weil er zur rechten Zeit das Rechte träumt und im rechten Moment erwacht!).