Auch Ed McBain ist ein Schreiber der neuen Welle des Kriminalromans, auch er ein außergewöhnlicher Autor, den Fans nach sechs vorliegenden Ullstein-Taschenbüchern kein Fremder mehr. Jetzt ist sein "stärkster, vielleicht menschlichster Roman" (Anthony Boucher in The New York Times Book Review) herausgekommen –

Ed McBain: "Ich war’s, ich war’s", aus dem Amerikanischen von A. B. Noack; Ullstein Bücher Nr. 946, Verlag Ullstein, Frankfurt/Berlin; 159 Seiten, 2,40 DM

Schauplatz des Romans ist wieder das berühmte 87. Polizeirevier mit den sympathisch-durchschnittlichen Detektiven Kling, Carella, Brown, O. Brien und Meyer Meyer. McBain hat sich mit seinen Geschichten vom "87." nie an die klassische Regel Nr. 1 des konventionellen Krimis gehalten: Immer nur ein Detektiv steht im Mittelpunkt! Er verteilt auch diesmal wieder fünf Hauptrollen, ohne sich zu verzetteln. Die Story hat er fest im Griff. Und er kann sich noch einen Verstoß leisten: Er läßt eine in mehreren Romanen eingeführte "positive" Figur, Claire, die hübsche Braut des Detektivs Kling, töten.

McBain liegt nichts an Seelendurchleuchtung und Tiefenanalyse. Er erzählt seinen "Fall" wie ein Reporter, der sorgfältig die Fakten recherchiert. Wie er, nebenbei, Empfindungen und Reaktionen der Detektive skizziert und mit wenigen Strichen den Umriß dieser Figuren zeichnet, ist staunenswert. Die Polizisten klären im übrigen das Verbrechen mit kalter Routine; kein Zufall kommt ihnen zur Hilfe, kein Wunder waltet, kein Chinese taucht auf. Diese Männer mit Familienleben sind provozierende Anti-Sherlock-Holmes-Typen. Zwischen die Recherchen schiebt McBain Exkurse in bester Chandler-Manier ("Wenn du eine Leiche bist, hast du keine Rechte mehr. Man kann von dir Fotos machen, meist aus für dich unvorteilhaften Blickwinkeln ... Sie können dir die Kleider ausziehen, du hast keine Rechte mehr ... Du bist vielleicht der Beweis für gewisse Vermutungen, aber jedenfalls keine Person mehr. Deine Rechte hast du abgetreten an den Tod ...").

Nicht für Puristen ist Mickey Spillane, der große Primitive des amerikanischen Kriminalromans. Spillane, der so umstritten ist wie die rüden Methoden seines fanatischen Superhelden Mike Hammer, hat zehn Jahre geschwiegen. Ein Jahr länger hätte nicht geschadet –

Mickey Spillane: "Die Mädchenjäger", aus dem Amerikanischen von Stephanie Hippmann; Ullstein Bücher Nr. 940, Verlag Ullstein, Frankfurt/Berlin; 141 Seiten, 2,40 DM

Der Titel verspricht zuviel – gejagt wird nur ein Mädchen, nämlich Hammers stromlinienförmige Mitarbeiterin und Gespielin Velda.