E. W., Paris, im August

Als das "Ende von Jalta" bezeichnete General de Gaulle den Besuch der Rumänen in Paris. Das Wort wird glaubwürdig aus seiner Umgebung berichtet. Es trägt den unverwechselbaren Stempel des Mannes, der sich seines Spürsinns für geschichtliche Entwicklung sicher glaubt, und es enthält auch einen Nachklang des Ärgers und der Enttäuschung über die Konferenz, die der Aufteilung der Welt und der Angelsachsen und Russen galt. Es ist ein sehr anspruchsvolles Wort, denn das "Ende von Jalta" ist nichts weniger als das Ende der Teilung Europas.

Das praktische Ergebnis des rumänischen Besuchs wiegt nicht schwer. Für ein Wirtschafts- und Kulturabkommen, das im Herbst ausgehandelt werden soll, wurden die Grundlagen gelegt. Die Franzosen wollen den Rumänen mehr Erdölprodukte abkaufen und damit das bescheidene Handelsvolumen ausweiten helfen. Der Bedarf der Rumänen ist groß, und sie halten nichts von sehr langen Krediten. Beim Kulturabkommen wird es um Bücher und um den Austausch von Fachkräften gehen. Der Austausch von Zeitungen und Studenten ist für die kommunistische Regierung in Bukarest viel weniger interessant.

Die Rumänen sahen schon in der Tatsache des Besuches eine Bestätigung für den Spielraum, der sie sich im kommunistischen Lager erwirkt haben. Freilich wollten sie keine laute Bekräftigung dieser Tatsache. Paris aber rechnet damit, daß früher oder später auch die Polen und Tschechen kommen. Und General de Gaulle weiß natürlich, daß er damit auch Karten für seine Deutschland-Politik sammelt. Denn wenn es wirklich um das Ende von Jalta geht, läßt sich das Deutschland-Thema immer weniger verdrängen.