Die meisten Unternehmen breiten über das Schicksal ihrer "Marken" einen dichten Geheimnisschleier. Die deutsche Unilever-Gruppe ist in dieser Hinsicht weniger ängstlich als ihre Konkurrenz, wahrscheinlich weil sie stärker ist. Natürlich gibt die deutsche Tochter eines holländischen Unternehmens nicht das Letzte preis. Immerhin gewinnt die Öffentlichkeit einen allgemeinen Überblick über das Schicksal von Produkten, die ihr im täglichen Leben ständig begegnen.

Soweit sich aus der Umsatzentwicklung der einzelnen Sparten der deutschen Unilever-Gruppe herauslesen läßt, ist der Trend zu den Spezialprodukten weitergegangen. Die Umsatzanteile von "Öle und Kuchen" sowie von "Margarine und Speisefetten" waren rückläufig. Auch die absoluten Umsatzzahlen sind hier bei einem um etwa 1,5 Prozent auf 3,581 Milliarden Mark gestiegenen Umsatz rückläufig gewesen. Die steigenden Kosten haben insgesamt an der Rentabilität gezehrt, so daß sich der konsolidierte Nettogewinn der Gruppe im Geschäftsjahr 1963 auf 121 (127,3) Millionen verringerte. Bezogen auf das Kapital der Gruppe von 513,6 Millionen macht der ausgewiesene Gewinn 23,6 Prozent aus, im Jahr zuvor waren es noch 25,6 Prozent.

Daß der deutsche Markt nach wie vor optimistisch beurteilt wird, zeigt die konstante Investitionstätigkeit der Gruppe. Im Berichtsjahr 1963 betrugen die Anlagezugänge 141,24 (133,85) Millionen, davon sind 70,33 (69,97) Millionen abgeschrieben worden.

Nun zu den einzelnen Produkten: Das seit April 1961 im gesamten Bundesgebiet verkaufte Speiseöl Livio hat seine Marktposition gefestigt. Im übrigen litt das Speiseölgeschäft im vergangenen Jahr darunter, daß die während der Kuba-Krise im Herbst 1962 angelegten Vorräte in den ersten Monaten 1963 verbraucht wurden. Dadurch stockte zeitweise der Neuabsatz.

Der Margarineverbrauch in der Bundesrepublik war rückläufig, und zwar um 8000 Tonnen auf 550 000 Tonnen. Allerdings ist eine Abflachung in der rückläufigen Tendenz zu erkennen. Der Anteil der Margarine an der Nahrungsfettversorgung belief sich auf 33,7 Prozent. Welchen Raum die Marken der Margarine-Union GmbH (Tochter von Unilever) auf dem deutschen Margarinemarkt einnehmen, wird im Geschäftsbericht aus verständlichen Gründen verschwiegen. Er dürfte jedoch bei über 60 Prozent liegen. Sicher aber den maßgeblichen. Die Margarine-Union war wieder mit den Marken Rama und Sanella im Geschäft. Die Marke Flora (in Bechern) gewann an Bedeutung, allein schon deshalb, weil nun neben dem Westen und Norden der Bundesrepublik auch der Südwesten beliefert wird. Auf dem Markt der Speisefette haben Palmin und Biskin ihre führende Stellung behalten, Biskin – so wird gesagt – hat seine Position noch verbessert.

Der Käsemarkt wurde 1963 etwas größer. Die schon in früheren Jahren erkennbare Verlagerung der Nachfrage auf Kleinpackungen, vornehmlich in Scheiben, hielt an. Die Margarine-Union meldet beachtliche Umsatzsteigerungen bei Schmelzkäse in Scheiben, zugenommen hat auch der Schmelzkäse-Export (zum größten Teil in die EWG-Länder). In einigen Bezirken wurde mit dem Vertrieb eines neuen Naturkäse-Erzeugnisses, des Ramee-Camembert, begonnen, dessen Absatzgebiete schrittweise erweitert werden sollen.

Ende 1963 hat die Langnese-Eiskrem-GnbH ihren Firmennamen in Langnese-Iglo GmbH geändert. Sie hat den Vertrieb der Tiefkühlkost der Iglo-Feinfrost GmbH übernommen. Der Umsatz an Tiefkühlkost konnte 1963 verdoppelt und der Marktanteil trotz des scharfen Wettbewerbs vergrößert werden. Begünstigt wurde das Tiefkühlgeschäft durch den kalten und langen Winter 1962/63, der eine Knappheit an Frischgemüse zur Folge hatte. Auf dem Eiskrem-Gebiet liegt der Langnese-Marktanteil bei über 50 Prozent. Gestiegen ist auch das Geschäft mit Dosensuppen.