Wissen wir jetzt mehr über den Mond? Ja; die Photos, die Ranger VII in den letzten sechzehn Minuten seiner Mondreise aufgenommen und zur Erde zurückgefunkt hat, ehe er beim Aufprall am Ziel zerschellte, jene 4316 Bilder, deren Schärfe alle Erwartungen weit übertraf, zeigen Details der Mondoberfläche, die kein Teleskop je hätte sichtbar machen können. Um diese Details ist unser Wissen vom Mond jetzt berei-

Die Nahaufnahmen bestätigen die Annahme der Astrophysiker, daß auch die scheinbar glatten Gebiete des Mondes, die "Meere", mit Kratern übersäht sind, mit flachen und tiefen Gruben aller Ausmaße. Krater von der Größe einer Tischplatte sind noch klar auf den letzten, aus wenigen hundert Metern Höhe aufgenommenen Photos zu erkennen. Auch Felsbrocken sind dort zu sehen, Mondsteine, die aus kleinen Kratern herausragen. Gut zu erkennen sind besonders die Konturen der Kraterränder, weil die Beleuchtung günstig war. Im schräg einfallenden Sonnenlicht entstanden scharfe Schatten.

Diese Konturen geben Aufschluß über die Konsistenz des Mondbodens. Nach der ersten Durchsicht der Photos erklärte der amerikanische Geologe Eugene Shoemaker: "Es sieht so aus, als sei der Mond mit Staub bedeckt; doch diese Staubschicht kann nur einige Zoll, höchstens einen Fuß (30 cm) dick sein." Die oft geäußerte Befürchtung, künftige Mondfahrer würden im lunaren Pulversand versinken, ist offenbar unbegründet.

Dr. Shoemaker zieht diesen Schluß aus der Tatsache, daß die Ränder der flachen Kleinkrater stumpf sind, die der tiefen jedoch wie steife Kragen die kreisrunden Vertiefungen umschließen. Zumindest die kleinen Krater sind aller Wahrscheinlichkeit nach durch Einschläge von Meteoriten entstanden, von Materiebrocken, wie sie auch ständig auf unseren Globus hageln würden, verglühten sie nicht bereits als Sternschnuppen beim Durchfliegen der Atmosphäre. Der Mond besitzt keine Atmosphäre und ist daher ungeschützt dem kosmischen Bombardement ausgesetzt. Die tiefen Krater sind direkte Folgen dieses Bombardements, Einschlagstellen von Meteoriten.

Die kleinen unter jenen Kratern sind natürlich von kleinen Meteoriten hervorgerufen worden. Wenn aber diese in ein tiefes Staubmeer geplumpst wären, hätten sich keine Kragen bilden können; die Ränder dieser Kleinkrater müßten dann vielmehr so aussehen, wie die der flachen Mulden, von denen man annimmt, daß sie von Steinsplittern herrühren, die beim Einschlag größerer Meteoriten in die Luft geschleudert wurden. Mithin spricht die Existenz der "sekundären" flachen Krater für das Vorhandensein einer Staubschicht auf dem Mond und die Kragen, die bei Einschlägen selbst kleiner Meteoriten entstanden sind, lassen erkennen, daß diese Schicht nicht besonders dick sein kann.

Auffallend viele flache Mulden lassen die Rangerphotos auf einem "Strahl" des Kopernikuskraters erkennen. Kopernikus ist, wie einige andere Krater, von denen man annimmt, daß sie verhältnismäßig jung sind, von einem hellen Strahlenkranz umgeben. Man kann ihn bei Vollmond deutlich sehen. Die Nahaufnahmen lüften nunmehr das Geheimnis dieser Strahlen: Es handelt sich um Häufungen von kleinen Sekundärkratern, die offenbar von dem bei der Entstehung des Kopernikuskraters hochgewirbelten Gestein hervorgerufen wurden.

Die Auswertung der Bilder wird viele Monate, wenn nicht gar Jahre in Anspruch nehmen. Der NASA, die das Experiment bezahlt hat, geht es dabei hauptsächlich um die Frage, ob es ratsam ist, Raumschiffe im Gebiet des Mare Nubium, des "Meeres der Wolken", landen zu lassen. "Tückisch können bei einem solchen Unternehmen besonders die winzigen Kraterchen sein", meint der amerikanische Astronomieprofessor und Mondexperte Gerard Kuiper, "man muß sie meiden wie Gift, denn sie können die Landebeine des Raumfahrzeuges zum Stolpern bringen. Doch ich habe den Eindruck, das Ergebnis dieses Experiments wird lauten: Grünes Licht für die Mondfahrt." Auch Kuiper ist davon überzeugt, daß die Staubschicht auf dem Mond dünn ist, aber was sich darunter befindet, kann auch er nicht sagen, und ob hier die Ranger-Schnappschüsse Auskunft geben können, bleibt abzuwarten.