Die Besitzer französischer Aktien hatten in den letzten Jahren keine Freude an ihren Papieren. Die französischen Aktienkurse erreichten im April 1962 ihren Nachkriegshöchststand, seither sind sie unter Schwankungen ständig gefallen. Erst in den letzten Tagen zeichnete sich eine stabilere Haltung der französischen Börsen ab, die mancherorts bereits als Tendenzwende bezeichnet wird. Den Anstoß gab die Absicht der französischen Regierung, dem Aktienmarkt durch steuerliche Maßnahmen Hilfeleistung zu geben, um höhere Dividenden zu ermöglichen.

Im Juli wurde das Kursniveau der französischen Aktien gegenüber dem Vormonat um etwa 10 Prozent angehoben. Die französischen Kapitalsammelstellen, die in den vergangenen 12 bis 15 Monaten kaum Anlagekäufe vorgenommen hatten und deshalb über beträchtliche liquide Mittel verfügten, begannen an der Börse aktiv zu werden. Nach ihrer wirtschaftlichen Analyse hat sich das Preis- und Kostenklima in Frankreich merklich beruhigt. Im Gegensatz zu Italien gilt in Paris die "Krise" als überwunden. Die Industrieproduktion bewegt sich weiter auf einem hohen Niveau. Andererseits ist nicht zu verkennen, daß die Kostensteigerungen der letzten Zeit und die Unmöglichkeit, die Mehrausgaben völlig auf die Preise abzuwälzen, zu einer Einengung der Gewinnmargen geführt haben. Dieser Zustand war der tiefere Grund für die Stagnation der französischen Börsen.

Um eine ausreichende Rentabilität wieder herzustellen, erwägt die französische Regierung Steuererleichterungen. Geplant ist die Begünstigung der ausgeschütteten Gewinne (wie bei uns), aber auch eine Herabsetzung der übrigen Gewinnsteuern. Die Unternehmen sollen veranlaßt werden, höhere Dividenden zu zahlen und dadurch ihre Papiere attraktiver zu machen, auch für Ausländer, die sich bislang durch die relativ niedrigen Renditen von kaum mehr als zwei Prozent abschrecken ließen. Die Halbjahresberichte einiger großer Unternehmen lassen erkennen, daß sie selbst in der Lage wären, die für 1963 ausgeschütteten Dividendensätze aufrechtzuerhalten. Kämen Steuererleichterungen hinzu, so wären tatsächlich höhere Ausschüttungen möglich.

Wenn sich die Erwartungen der französischen Kapitalanleger erfüllen sollten, würde auch der "Leidensweg" der Agefra-Zertifikate zu Ende gehen. Agefra ist ein Fonds für französische Aktienwerte, der von der Commerzbank betreut wird. Der Ausgabepreis der Zertifikate fiel von April 1962 von 54,90 Mark auf 33,50 Mark im Juni 1964 zurück, hat sich inzwischen aber wieder auf 37,10 Mark erholt. Für das Berichtsjahr 1963/64 (30. Juni) wird 2 Mark je Anteil ausgeschüttet, das sind 0,25 DM weniger als im Jahr zuvor. Folgen der französischen Aktienbaisse! Wurden beispielsweise 1962/63 noch für 2,3 Millionen Kursgewinne realisiert, so waren es im Berichtsjahr 1963/64 nur 0,685 Millionen. Der Fonds bekam die schlechte Börsenlage aber nicht nur auf der Einnahmenseite zu spüren, sondern ebenfalls durch das Verhalten der Zertifikatsbesitzer, die 106 709 Stücke zurückgaben.

In Übereinstimmung mit dem differenzierten Verlauf innerhalb der französischen Wirtschaft hat der Fonds interessante Umdispositionen vorgenommen. Aufgestockt wurden die Bestände an Banken-, Chemie- und Kunststoff werten sowie Eisen- und Stahlpapieren, Elektroaktien und Erdölpapieren, während das Vermögen bei den Werten der Autoindustrie, der Bau- und Baustoffindustrie, der Brauerei- und Nahrungsmittelwirtschaft, der Gummi- und Warenhausbranche verringert wurde. Ausdrücklich wird im Rechenschaftsbericht hervorgehoben, daß die seinerzeit im Agefra-Portefeuille enthaltenen Aktien der Machines Bull zu einem sehr frühzeitigen Zeitpunkt und noch zu recht guten Kursen veräußert worden sind. Am 30. Juni waren Chrom und Peugeot nicht mehr im Portefeuille vertreten. Also auch hier die Abneigung gegenüber Automobilaktien.

Die Prognose des Fonds: An der französischen Börse besteht für selektive Aktienkäufe, ins-, besondere langfristiger Natur, eine gute Chance.

Bis zur nächsten Woche! Ihr Securius