Die Rebellion im Kongo frißt wie ein Buschfeuer immer weiter um sich. Eine Reihe wichtiger Städte in den Ostprovinzen Nordkatanga, Maniema und Kiwu, fiel den Scharen Gaston Soumialots in die Hände. Weder die demoralisierte Nationalarmee General Mobutos noch Tschombes reaktivierte Gendarmen-Armee aus Angola haben ihren Vormarsch bisher aufhalten können.

Der Vorstoß der Rebellen auf die Großstadt Stanley ville (300 000 Einwohner) hat mehr als nur strategische Bedeutung. Stanley ville war die Hochburg Patrice Lumumbas. Dort etablierte sich die vom Ostblock anerkannte Gegenregierung seines Nachfolgers Antoine Gizengas, der jetzt mit Tschombe im selben Kabinett sitzt. Kann Soumialot seine Gegenregierung in die einstige Provinzhauptstadt verlegen, so darf er mit Fug und Recht als legitimer Erbe Lumumbas auftreten.

Der Ausgang der Kämpfe im Kongo hat weltpolitische Rückwirkungen auf das sowjetisch-chinesische Verhältnis. In Usumbura, der Hauptstadt Burundis, und in Brazzaville, der Hauptstadt des ehemals Französisch-Kongo, sitzen starke chinesische Missionen, von denen die Rebellen mit Geld, Waffen, Propagandamaterial und mit Maos Lehren vom Bürgerkrieg versorgt werden. Der "Nationale Befreiungsrat" in Brazzaville, dessen Banden nördlich Leopoldville in den Kongo eingefallen sind, wird aber gleichzeitig auch von Moskau gefördert..

Tschombe und Mobuto müssen sich wohl oder übel gleichfalls nach auswärtiger Hilfe umsehen. Exil-kubanische Piloten im Auftrag des US-Geheimdienstes haben, noch vor Tschombes Rückkehr, bereits Einsätze im Kongo geflogen. Mit vier Ländern hat Leopoldville Militärhilfsabkommen geschlossen: den USA, Italien, Israel und Belgien. Von ihnen würde Mobuto auch "Berater" annehmen, wie sie zum Beispiel der südvietnamesischen Armee beigegeben wurden.