Nordvietnamesische Schnellboote griffen zum zweitenmal mit Torpedos US-Zerstörer an. Die amerikanischen Kriegsschiffe erwiderten das Feuer mit 15-cm-Batterien, und Jagdbomber verfolgten die Angreifer mit Raketen. Präsident Johnson ordnete als Vergeltungsmaßnahme die Bombardierung nordvietnamesischer Küstenstützpunkte an und erteilte den Befehl, jeden Widerstand zu zerschlagen und feindliche Flieger anzugreifen. In einer Rundfunk- und Fernsehansprache sagte der Präsident der Vereinigten Staaten, die Antwort auf die Aggression Nordvietnams werde "begrenzt und angemessen" sein. Es sei nicht der Krieg, den die USA suchten, sondern die Festigkeit im Recht, die heute für den Frieden unabdingbar ist. Festigkeit, so sagte Johnson, wird immer anerkannt werden, ihre Mission ist der Frieden.

Zum erstenmal ist der Dschungelkrieg aufs offene Meer getragen worden, zum erstenmal kämpften Einheiten Nordvietnams gegen Einheiten der Vereinigten Staaten. Bisher traten die Amerikaner im Kampf zwischen Nordvietnam und Südvietnam nur als Berater und Ausbilder auf. Den Krieg führte Saigon. Wird dies jetzt anders werden?

McNamara hat Truppenverstärkung angekündigt, schon werden aus dem pazifischen Raum Einheiten an den Krisenherd verlegt. Bisher hatten die Vereinigten Staaten ungefähr 20 000 Mann in Südvietnam – darunter allein 14 Generäle. Ein Sechstel seiner gesamten Ausgaben für Wirtschafts- und Militärhilfe steckt Washington zur Zeit nach Südvietnam – ein weiteres Sechstel übrigens nach Korea, so daß ein Drittel der gesamten Auslandshilfe in diese beiden Gebiete geht, ein Zeichen, für wie wichtig sie gehalten werden.

Seit langem ist, deutlich, daß der südvietnamesische Dschungelkrieg nicht zu gewinnen ist, aber es war immerhin möglich, das Vordringen des Komunismus Jahre hindurch am 17. Breitengrad aufzuhalten. Seit de Gaulle als seine offizielle Devise die Neutralisierung Vietnams verkündete und damit den im Abwehrkampf stehenden Amerikanern und Südvietnamesen in den Rücken fiel, sind die Nordvietnamesen aggressiver geworden, während die Südvietnamesen begreiflicherweise finden, es lohne den vollen Einsatz nicht mehr, wenn der Krieg über kurz oder lang doch abgebrochen werden sollte.

Johnson aber, der außenpolitisch gegen de Gaulles Konzeption kämpft, weil er sich nicht auf eine Neutralitätszusicherung der Chinesen verlassen will und der innenpolitisch gegen Goldwater streitet, muß sich immer mehr engagieren, damit die USA in Asien nicht als unzuverlässig und er selber in den USA nicht als weich abgestempelt werden. M. D.