H. W., Kiel

Als in der Gemeinde Schenefeld bei Hamburg vor einiger Zeit ein Schulneubau seiner Bestimmung übergeben wurde, hatte man sorgsam darauf geachtet, auch den Vertretern der bildenden Künste ihren Teil an der Ausgestaltung der Schule zukommen zu lassen. Die Verantwortlichen für den Schulneubau beauftragten den Bildhauer Arno Assmann eine Plastik zu schaffen, die vor der Schule aufgestellt wurde. Assmann tat’s. Er nannte das Werk "Orpheus und Eurydike". Sie wurde aufgestellt, und soweit war alles gut. Bis das Kultusministerium den Schenefeldern die überraschende Mitteilung machte, sie hätten ihre Plastik selber zu bezahlen – denn Assmann sei nicht in der Liste der behördlich förderungswürdigen Künstler zu finden.

Zwar ist Arno Assmann keineswegs ein Unbekannter. In den letzten Jahren hat er zahlreiche öffentliche Aufträge ausgeführt. Aber das ist für das Kultusministerium kein hinreichender Grund, "Orpheus und Eurydike" zu bezahlen. Es beruft sich – zu Recht – auf die Liste jener Künstler, die für derlei Arbeiten zugelassen sind. Mit dieser Liste allerdings hat es eine besondere Bewandtnis. Sie ist vom Landesverband bildender Künstler Schleswig-Holsteins aufgestellt worden und in ihr sind nur solche Künstler aufgenommen worden, die an der Landesschau teilgenommen haben. Zu ihnen gehört Assmann jedoch nicht. Die Liste hat aber noch einen weiteren Haken. In ihr sind zwar bildende Künstler aufgeführt, nicht aber Architekten. Und in der Jury, die über die Auswahl entscheidet, sitzt auch kein Architekt.

Der Bund Deutscher Architekten in Schleswig-Holstein, durch diesen Zwischenfall aufmerksam geworden, forderte jetzt, daß auch ein Architekt zu der Jury herangezogen wird, die für die Aufstellung der Liste verantwortlich ist. Das wäre nach seiner Ansicht zumindest im Hinblick auf eine bessere Zusammenarbeit zwischen bildenden Künstlern und Architekten erforderlich.