An den Fabriken liegt es nicht, wohl aber an der unbewältigten Vergangenheit. Das war der Tenor des Plädoyers, das Vorstandssprecher Norbert Lehmann vor Journalisten zur Rechtfertigung des Abschlusses 1963 der Aschaffenburger Zellstoffwerke AG, Redenfelden, hielt. Finanziers und Aktionäre der Gesellschaft brauchen Geduld und starke Nerven: Im Berichtsjahr wird nämlich wieder ein Bilanzverlust von 9,9 Millionen DM bei 43 Millionen DM Grundkapital ausgewiesen, nachdem im Vorjahr ein Verlust von 35,7 Millionen Mark durch Sanierung getilgt und die Normalabschreibungen für 1962 in Höhe von 12,6 Millionen DM bereits vorweggenommen worden waren.

Der neue Verlust entstand durch Sonderabschreibungen auf die stillgelegten Werke Walsum und Elberfelder Papierfabrik GmbH. Allein die Weiterführung von Walsum hätte einen Jahresverlust von acht Millionen DM verursacht. Das Betriebsergebnis hat sich nach den Angaben des Vorstandes wesentlich verbessert. Ohne die Sonderabschreibungen hätte man eine nahezu ausgeglichene Bilanz vorlegen können. Zu neuen Ufern soll die im Vorjahr mit einem Aufwand von 46 Millionen DM aufgestellte Papiermaschine in Stockstadt führen. Leider verzögerten technische Tücken die Anlaufzeit über Gebühr. Die neue Investition wird deshalb nicht vor 1965 gewinnbringend arbeiten. Die Aufstellung einer weiteren Papiermaschine steht zumindest in diesem und im nächsten Jahr nicht zur Diskussion, weil man den Markt nicht übersättigen will. Dagegen soll bei der Niederrheinischen Papier- und Pappenfabrik AG, Neuß, die inzwischen die Beteiligung an der Aschzell auf über 75 Prozent verstärkt hat, die Herstellung hochwertiger Kartone verbessert und ausgeweitet werden. Die Marktchancen beurteilt die Verwaltung optimistisch, aber der chronische Eigenkapitalmangel läßt eine baldige Besserung der Unternehmensrentabilität nicht erwarten. Die Konsolidierung der Schulden im Berichtsjahr enthebt zwar von drückenden Liquiditätssorgen. Bei einem Anteil der Verbindlichkeiten von fast 70 Prozent der Bilanzsumme müssen in den nächsten Jahren aber 18 bis 19 Millionen DM jährlich für den Kapitaldienst aufgebracht werden; das ist mehr als die Normalabschreibugen, die sonst re-investiert werden könnten. In dieser Situation könnten nur die Großaktionäre, vor allem die Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank und die dem Freistaat Bayern gehörende Landesanstalt für Aufbaufinanzierung, die Kapitalbedürfnisse befriedigen. B. N.