Von Uwe Nettelbeck

Folgendes hatte sich zugetragen: Die Programmkonferenz der bundesdeutschen Feinsehanstalten hatte am 15. April dem norddeutschen Sender für den 15. Juli fünfundvierzig Minuten Kabarett zugebilligt. Dieser hatte das Heidelberger Studentenkabarett "Bügelbrett" verpflichtet und sich bereiterklärt, Teile des Programms "Stolz auf Deutschland" auszustrahlen.

Am 25. April kamen die Heidelberger in die Hamburger Studios. Nicht fünfundvierzig, sondern siebzig Minuten wurden aufgezeichnet.

Am 29. Mai sahen sich der Leiter der Abteilung Unterhaltung, Regnier, Intendant Schröder, Programmdirektor Arnold und der Justiziar des Hauses die Aufzeichnung an und debattierten, was davon gesendet werden sollte und was nicht. Fünfundzwanzig Minuten standen zur Verfügung. Die Meinungen gingen auseinander, dem es war nicht alles freundlich, was die Heidelberger zu sagen hatten.

Es fielen der Beratung zum Opfer: eine Ulbricht-Springer-Nummer, die große Schlußnummer "Die Mauer" und schließlich eine dritte, in der sich die Heidelberger über die öffentliche Neigung mokierten, Homosexualität bei Prominenten zu akzeptieren, beim kleinen Manne aber zu ächten.

Die Heidelberger erfuhren von der Kürzung, fühlten sich zu Recht verstümmelt und schlugen in der Öffentlichkeit Alarm. Außerdem telegraphierten sie dem NDR und baten ihn, ihren Protest gegen die Auswahl dem Publikum vor der Sendung zu verlesen. Vergeblich. Man begnügte sich damit, "Ausschnitte" anzukündigen und beantwortete den Protest unter Ausschluß der Öffentlichkeit. Über die Mattscheibe flimmerte dann eine meist matte Sache, und gar mancher mag sich gefragt haben, warum.

Der Spiegel nahm sich der Angelegenheit in und verbreitete "Bügelbrett"-Zitate: "Ausgerechnet die drei wesentlichen Nummern haben sie uns ’rausgenommen... Die Ausschnitte, die da gesendet wurden, geben ein völlig falsches Bild von uns. Das waren ja nur die Zwischendurch- und Luftholnummern. Die provozierten ja kaum noch zum Nachdenken... Ich weiß nur eins, ich mach’s nie wieder." Das sagte Hannelore Kaub, die energische Chefin des Unternehmens.