Von Werner Büdeler

Nur eine einzige Aufgabe hatte man der amerikanischen Mondsonde Ranger VII zugedacht: während der letzten fünfzehn Minuten ihres Anfluges auf den Mond bis unmittelbar vor dem Aufschlag auf der Mondoberfläche eine möglichst große Zahl von Bildern des Erdbegleiters im Fernsehverfahren an die irdischen Bodenstationen zu übermitteln.

Ranger VII unterschied sich damit wesentlich von den meisten seiner Vorgänger, die neben den photographischen Aufnahmen der Mondoberfläche noch zahlreiche weitere Daten übermitteln sollten – aber nicht konnten, weil bei allen vorausgegangenen Ranger-Flügen allerlei Störungen auftraten. So war es keiner der Balsaholzkugeln, die Ranger III, IV und V mitführten, beschert, sich programmgemäß zwanzig Kilometer über der Mondoberfläche vom übrigen Rangergerät zu lösen, die eigene Geschwindigkeit durch eine Hilfsrakete abzubremsen und schließlich auf dem Mond aufzuschlagen, um dort Messungen über die Bebentätigkeit des Mondbodens vorzunehmen und an die Erde per Funk zu übermitteln. Ranger III hatte eine zu große Geschwindigkeit, er schoß über den Mond hinaus und seine Landekugel zieht mit ihm zusammen auf ewige Zeiten eine Planetenbahn um die Sonne; Ranger IV erreichte sein Ziel zwar – er schlug auf der erdabgewandten Mondseite auf – aber schon kurz nach Verlassen der Erde war die Funkverbindung mit der Sonde ausgefallen, so daß ihre Bahn nicht korrigiert, die Kugel nicht gelöst und Messungen nicht übertragen werden konnten; Ranger V verstummte ebenfalls kurz nach dem Einschuß in seine Bahn und teilt im übrigen das Schicksal von Ranger III, er ist ein künstlicher Planetoid der Sonne.

Ranger VI hingegen, am 30. Januar dieses Jahres gestartet, wies dieselbe Instrumentierung wie Ranger VII auf. Er war nur dazu bestimmt, mit seinen sechs Fernsehkameras Bilder zu übertragen. Bei Ranger VI funktionierte denn auch alles bis auf die Bildsendung. Die spätere Auswertung der Meßdaten zeigte, daß das Fernsehübertragungssystem offenbar bereits beim Start durch Kurzschluß eingeschaltet und in der hohen Atmosphäre der Erde, nämlich in etwa 45 bis 75 Kilometer Höhe, durch Funkensprung beschädigt worden war.

Um Ranger VII vor einem ähnlichen Schicksal zu bewahren, wurden an ihm umfangreiche elektronische Änderungen vorgenommen, die Wärmeisolierung verbessert, die Übertragung der Kontrolldaten verändert und die Überprüfung vor dem Start verschärft. Das Kommandogerät, das die Fernsehkameras einschaltet, wurde bis nach der Trennung von der Agena-Rakete (der zweiten Stufe des Trägeraggregats) gesperrt.

Am 28. Juli erhob sich die Atlas-Agena-B-Rakete mit Ranger VII als Nutzlast um 17 Uhr 50 Minuten mitteleuropäischer Zeit von ihrer Startplattform in Kap Kennedy. Die Flugbahn des Ranger zum Mond war für eine Zeitspanne von sechs Tagen für jeden in Frage kommenden Augenblick mit elektronischen Rechenmaschinen vorausberechnet worden, denn sie ändert sich dauernd, und hängt nicht nur von den relativen Bewegungen von Erde und Mond, sondern auch von Anziehungswirkungen der Sonne und der Planeten Venus, Mars und Jupiter ab.

Zunächst freilich wurde Ranger VII nicht in die eigentliche Flugbahn zum Mond eingeschossen, sondern auf eine Satellitenbahn in rund 180 Kilometer Höhe gebracht. Noch mit der zweiten Stufe der Trägerrakete verbunden, umflog sie die Erde in dieser Parkbahn, bis der Raketenmotor durch einen Funkbefehl von der Erde gezündet wurde. Jetzt galt es, das Gerät in einen "Tunnel" von nur 15 Kilometer Durchmesser einzuschießen und auf eine Geschwindigkeit von 39 170 Kilometer pro Stunde zu bringen. Hätte die erzielte Jahn außerhalb des Tunnels gelegen oder wäre die Geschwindigkeit im Augenblick des Brennschlusses der Agena-Rakete um mehr als 25 Kilometer pro Stunde über oder unter dem theoretisch geforderten Wert von 39 170 Kilometern pro Stunde gelegen, dann hätte Ranger VII den Mond auch mit Hilfe von zusätzlichen Korrekturmanövern nicht erreichen können.