Will der Bund die Preußag-Privatisierung, die von den über 200 000 Kleinaktionären auch heute noch positiv bewertet wird, wieder rückgängig machen?

Erstaunt fragt man sich, was die ehemalige Mutter, die VEBA, die auch heute noch 16 Prozent des Preußag-Kapitals in ihrem Besitz hat, bewegt, bei einer Kapitalerhöhung nicht nur ihr Bezugsrecht zu nutzen, sondern sich weitere 3,12 Millionen Mark, die nicht mehr auf die Aktionäre aufzuteilen waren, zu sichern. Damit steigt ihr Anteil auf 17,3 Prozent.

Der offizielle Grund, man wolle Kleinaktionäre vor Kursverlusten schützen, ist fadenscheinig, denn der Spitzenbetrag hätte sicher ohne Schaden zum jeweiligen Tageskurs nach und nach in die Börse eingeschleust werden können.

Eigentlich hätte man umgekehrt erwarten können, daß die bundeseigene VEBA sich nach und nach von ihrem Altbesitz trennt und vor allem die jungen Aktien den Volksaktionären überlassen hätte. Das um so eher, als sie selbst dringend Kapital braucht, rund 550 Millionen Mark nämlich. Durch die Veräußerung ihrer Preußag-Anteile und der Bezugsrechte hätte sie immerhin rund 100 Millionen kassieren können.

Oder sollte die VEBA aus neu angewärmter Liebe zu ihrer alten Tochtergesellschaft doch wieder versuchen, ihren Anteil auf 25 Prozent und damit auf eine Sperrminorität zu erhöhen? In den Köpfen einiger CDU-Eigentumspolitiker scheinen derartige Gedanken zu spuken. Der Bund als Schutzpatron der Kleinaktionäre, das ist vielleicht des Nachdenkens wert. Dieses Ziel im Zeitalter der Eigentumsstreuung durch Rückgängigmachen der Privatisierung anzustreben, dürfte jedoch in jedem Fall falsch sein. sim