R. S., Bonn, im August

Der Verteidigungsausschuß des Bundestages – er hielt zum ersten Male während der Parlamentsferien eine dreitätige Sitzung ab – ist sich über die Kritik des Wehrbeauftragten an der Bundeswehr offensichtlich nicht einig. Während der Ausschußvorsitzende, Vizepräsident und CSU-Abgeordneter Dr. Jäger, meint, die Bundeswehr sei durch die Kritik Heyes in ihrer Entwicklung wenigstens um fünf Jahre zurückgeworfen worden, glauben das die Vertreter der SPD und der FDP im Ausschuß (Wienand und Schultz) nicht.

Jäger stößt sich an Heyes Wort vom "Staat im Staate". Wienand aber nimmt es, wie es Heye verstanden wissen will: im Sinne einer gesellschaftlichen Selbstisolierung. Das entspräche, so meint er, einer Bemerkung Hassels, mit der er vor der Gefahr einer "geistigen Isolierung" der Bundeswehr gewarnt hat. Jäger hält Heye vor, daß er ja oft genug vor dem Verteidigungsausschuß gesprochen hätte, und daß er es auch in dieser Sache wieder hätte tun können. Er habe also nicht in die Öffentlichkeit flüchten müssen. Wienand kontert, das publizistische Echo solcher Debatten im Verteidigungsausschuß sei jeweils eine Zehn-Zeilen-Meldung in der Presse gewesen, jetzt aber sei es Heye gelungen, eine das ganze Land erregende Diskussion zu entfesseln.

Daß um die Innere Führung jeden Tag und von allen Führern der Bundeswehr gerungen werden müsse, räumte auch von Hassel vor dem Ausschuß ein. Es kann eben gar nicht alles in Ordnung sein. Es kommt nur auf das rechte Maß in der Beurteilung der Mißstände an. Jäger glaubt, Heye sei im negativen Sinne – weil an ihn immer das Schlechte herangebracht werde – "betriebsblind" geworden. Ist aber nicht vielleicht von Hassel, dem ja kaum ein kleiner und vermutlich auch nur sehr selten ein großer Bundeswehrmann eine unangenehme Wahrheit sagen dürfte, im positiven Sinne betriebsblind?

Der Ausschuß wird erst nach der Anhörung Heyes abschließend Stellung nehmen, also im Herbst. Ob es dann eine einheitliche Stellungnahme sein wird oder ein Mehrheits- und ein Minderheitsbericht? Hoffentlich übersieht der Ausschuß über dem taktischen Danebengreifen Heyes nicht die Substanz von dessen Vorwürfen. Mit ihr hat sich auf Hassels Weisung ein Arbeitsstab unter der Leitung des Kommandeurs der Schule für Innere Führung, Generalmajor Weber, befaßt. Doch das ist die eigentliche Aufgabe des Verteidigungsausschusses. Sie sollte er sich vor Augen halten.