FÜR alle, die Adornos kritisch-aufklärerisches Denken in der Bewährung am Detail kennenlernen wollen –

Theodor W. Adorno: "Eingriffe – Neun kritische Modelle"; edition suhrkamp, Bd. 10, Suhrkamp Verlag, Frankfurt; 175 S., 3 DM.

ES ENTHÄLT neun Aufsätze neueren Datums, die Adorno für Zeitschriften und Rundfunk geschrieben hat, sowie einige ausgearbeitete Vorträge: "Wozu noch Philosophie?" (1962), "Philosophie und Lehrer" (1961), "Notiz über Geisteswissenschaft und Bildung" (1962), "Jene zwanziger Jahre" (1962), "Prolog zum Fernsehen" (1953), "Fernsehen als Ideologie" (1953), "Sexualtabus und Recht heute" (1963), "Was bedeutet Aufarbeitung der Vergangenheit?" (1959), "Meinung, Wahn, Gesellschaft" (1960).

ES GEFÄLLT, weil Kulturkritik hier ein Denken ist, das sich auf der Höhe der Zeit befindet, das sich also nicht zu gut ist, zu Tagesfragen Stellung zu beziehen, das den spekulativen Höhenflug sicher meidet, ohne den theoretischen Denkansatz – das, was ist, kritisch zu messen an dem, was sein könnte – aufzugeben. Am grundsätzlichsten sind der erste Aufsatz, der zugleich eine gute Einführung in Adornos Denken ist, die kühne Untersuchung über den in die bürgerliche Gesellschaft integrierten Sexus und die klare Äußerung zur "Vergangenheitsbewältigung", ein Aufsatz, der sowohl erklärt als auch deutlich Stellung bezieht. U. N.