Drei Jahre ist es her, seit die Machthaber in der DDR die letzte Lücke in ihrem West-"Schutzwall" schlossen. Die Mauer in Berlin ist längst eine bittere Realität für die Deutschen hüben und drüben geworden. Eine Realität, die in den drei Jahren einiges verändert hat, übrigens in beiden Teilen Deutschlands.

Im Westen hat die Mauer endgültig Illusionen über die Möglichkeiten einer baldigen Wiedervereinigung zerstört. Eine Wirkung, auf die die Kommunisten besonders stolz sind. Sie behaupten, daß die Mauer außerdem der ostdeutschen Wirtschaft entscheidend genützt und das innenpolitische Klima verbessert habe. Der Alltag scheint für die Deutschen jenseits der Grenze in den letzten drei Jahren tatsächlich erträglicher geworden zu sein. Der Lebensstandard stieg. Und auch der politische Zwang wird von vielen Menschen in Ost-Deutschland nicht mehr als ganz so drückend empfunden wie vor drei Jahren.

Wie weit die positive Auswirkung der hermetischen Absperrung nach Westen jedoch tatsächlich die Herrschaft der SED-Führung stabilisiert hat, darüber herrscht selbst bei den Kommunisten Zweifel. Sie haben die Methoden der Meinungsforschung und der empirischen Soziologie bereits ausreichend entwickelt, um zu wissen, daß sie am 13. August 1961 nicht nur eine Mauer zwischen Ost- und Westberlin errichtet haben, sondern auch einen neuen Wall zwischen sich und der Bevölkerung. K. H.