Ich litt in letzter Zeit unter schrecklichen Alpträumen und alle hatten sie etwas mit Schuld und Sühne zu tun. Einige Beispiele:

Ich hatte Geld unterschlagen und riesige Summen mit liederlichen Frauenzimmern in entsprechenden Etablissements sinnlos verpraßt. Jetzt stand ich in der Anklagebank, Aug’ in Aug’ mit meinem Richter und hörte ihn sagen: "... verurteilt das Gericht den Angeklagten W. E. dazu, eine Kilius-Bäumler Schlagerplatte vier Monate lang dreimal täglich aus geringer Entfernung anzuhören!".

Ich atmete erleichtert auf. Eine schwere Strafe, gewiß. Aber doch nur, wenn die beiden selber singen.

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Schuld war eine Wette gewesen. Egon hatte meine Fingerfertigkeit angezweifelt. Dem wollte ich’s zeigen! Bahnhöfe wurden mein Revier. Kam anderen Taschendieben oft ins Gehege. Gewöhnte mich an das leichte Leben. In der Saison Verdiente ich mühelos 50 bis 70 DM täglich. Jetzt stand ich in der Anklagebank, Aug’ in Aug’ mit meinem Richter. Er blickte mich wohlwollend an: "Wir wollen noch einmal Gnade vor Recht ergehen lassen, aber Strafe muß sein. Das Urteil lautet: Die ganze Fernseh-Serie ‚Pension Spreewitz‘ vom II. Programm mit einer Rede von Intendant Holzamer ansehen. Dazu einige Werbespots – Kaffee, Sekt, Mieder – aus dem Regionalprogramm des I. mit einer Rede von Innenminister Höcherl zu Filmfragen. Angeklagter, nehmen Sie die Strafe an?"

"Herr Vorsitzender", hörte ich mich sagen, "das sind Foltermethoden aus dem Mittelalter!"

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