Am 11. Juni 1964 druckte das NEUE DEUTSCHLAND den Artikel "Die permanenten Provisorien" ab, mit dem Theo Sommer in der ZEIT das Fazit der Reise durch die DDR gezogen hatte. Außerdem brachte das Organ des Zentralkomitees der SED an prominenter Stelle folgende Notiz:

"Wir schlagen der Redaktion der ZEIT vor, unsere Stellungnahme ebenso abzudrucken, wie wir den Artikel von Theo Sommer abgedruckt haben. Beide wünschen wir, daß unsere Zeitungen ausgetauscht werden. Solange ein Zeitungsaustausch sich noch verzögert, könnte ein vereinbarter Austausch von Artikeln ein vorläufiger Ersatz sein."

Da der gleiche Text uns telegraphisch zuging, antworteten wir dem stellvertretenden Chefredakteur Dr. Günther Kertzscher am gleichen Tage per Telegramm: Sehr geehrter Herr Dr. Kertzscher, wir sind mit Ihrem Vorschlag einverstanden, Artikel zwischen ZEIT und NEUES DEUTSCHLAND auszutauschen. Wir schlagen vor: Jede Zeitung sendet der anderen jede Woche Artikel von höchstens 120 Schreibmaschinenzeilen Länge. Wir müssen Ihren Artikel abdrucken, Sie verpflichten sich, unseren Artikel abzudrucken, beide ohne jede Änderung oder Kürzung. Beide Blätter werden die vom anderen abzudruckenden Artikel gleichzeitig veröffentlichen, wir den von Ihnen gesandten Artikel in der ZEIT, Sie den von uns gesandten Artikel im NEUEN DEUTSCHLAND. Wir beginnen diese Vereinbarung mit dem Abdruck Ihres Artikels "... müssen friedlich miteinander auskommen".

Ergebenst Ihr Bucerius

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Tatsächlich hatte also das NEUE DEUTSCHLAND den Artikel von Dr. Sommer "Die permanenten Provisorien" abgedruckt und einen Kommentar von Dr. Kertzscher dazugestellt. DIE ZEIT hatte daraufhin Dr. Kertzschers Kommentar abgedruckt. Es sah also so aus, als sei nichts in der Welt einfacher als das Organisieren eines Artikelaustausches von hüben nach drüben und von drüben nach hüben. Dann aber erhielten wir einen Brief vom NEUEN DEUTSCHLAND, der eine Veröffentlichung der Agentur Associated Press zum Anlaß nahm, um einen Rückzug anzutreten. Er lautete:

Berlin, 19. Juni 1964