Die ADIG (Allgemeine Deutsche Investment-Gesellschaft mbH, München-Düsseldorf), die älteste deutsche Investment-Gesellschaft, hat in diesen Tagen die Rechenschaftsberichte für die von ihr verwalteten sieben Fonds veröffentlicht. Die Ausschüttungen wurden gegenüber dem Vorjahr unverändert gelassen, in einem Fall sogar um 10 Pfennig aufgestockt. Die Entwicklung der Ausgabepreise war je nach Fondszusammensetzung uneinheitlich. Nach mehrjährigen Erfahrungen weiß man nun, meine verehrten Leser, daß das Interesse für Fonds mit ausländischen Wertpapieren gering, ja eher rückläufig ist, zum anderen stellt sich immer mehr heraus, daß sich für thesaurierende Fonds (sie schütten nichts aus) das deutsche Publikum kaum erwärmen kann.

Die ADIG war mit ihren Fonds seit jeher "ausschüttungsfreudig". Sie weiß, daß sich der Sparer für möglichst hohe Jahresausschüttungen empfänglich zeigt und daß er sich am einfachsten zum Erwerb von Investment-Zertifikaten überreden läßt, wenn ihm eine Anlage geboten wird, deren Rendite ansehnlich über dem Zinssatz der Sparguthaben liegt.

Bei den Aktienfonds lassen sich die Ausschüttungen aus den Dividendeneinnahmen nicht allein bestreiten, denn schließlich beträgt die Aktienrendite zur Zeit nur 2,96 Prozent. Wenn bei den deutschen Aktienfonds Fondak, Fondis und Adifonds aber "Renditen" von 5,3 bis 5,6 Prozent erzielbar sind, dann wird klar, daß wieder Bezugsrechterlöse und Kursgewinne die Ausschüttungen auffrischen mußten.

Die ADIG meint dazu recht offen: "Es ist zu beachten, daß die Ausschüttung von Kursgewinnen und Bezugsrechterlösen eine Schmälerung der Substanz bedeuten kann, die insoweit an kommenden Kurssteigerungen nicht mehr teilnimmt. Auch wir haben in den zurückliegenden Jahren einen angemessenen Teil der angefallenen Veräußerungsgewinne zusammen mit den Erträgen an Zinsen und Dividenden verteilt und werden das, soweit derartige Gewinne anfallen, auch in Zukunft tun, worin Sie (die Zertifikatsinhaber) einen – in der Regel steuerfreien – Ausgleich für die vielfach kritisierte Gewinnthesaurierung der Aktiengesellschaften finden."

Nun hat die ADIG mit ihren "alten Fonds" gut lachen. Ein großer Teil der Aktien sind alte Bestände, bei denen durch die Hausse bis 1960 beträchtliche Kursgewinne aufgelaufen sind. Sie ist in dieser Hinsicht gegenüber jüngeren Fonds im Vorteil, die in Baisse-Zeiten schon nach realisierbaren Kursgewinnen suchen mußten.

Wir wollen uns hier nicht, meine verehrten Leser, über die Vertretbarkeit einer solchen Politik unterhalten. Über sie kann man mancherlei Meinung sein. Für den Anleger ist allein wichtig zu wissen, daß ihm bei den ADIG-Fonds auch in Zukunft mit großer Wahrscheinlichkeit hohe Ausschüttungen erwarten. Wie sich das auf die Entwicklung der Ausgabepreise auswirken wird, bleibt abzuwarten. Für das Berichtsjahr 1963/64 ist die Bilanz – wie die Tabellen zeigen – im großen und ganzen erfreulich.

Für die rein deutschen Aktienfonds läßt sich als Vergleich der Commerzbank-Index anziehen, der von 658,1 am 28. Juni 1963 auf 708,9 am 30. Juni 1964 gestiegen ist. Also um 7,6 Prozent. Wenn Fondra an diesen Satz mit dem Anstieg des Ausgabepreises nicht heranreichte, dann deshalb nicht, weil das Portefeuille mit festverzinslichen Papieren "belastet" war, die andererseits aber wieder für eine hohe Ausschüttung sorgten. "Überdurchschnittlich" gestiegen sind Fondak, Fondis und Adifonds. Bei Fondak wirkten sich die sehr breite Streuung und die Tatsache hemmend aus, daß im Portefeuille viele Aktien enthalten sind, die früher als "goldumrändert" galten, aber heute an Glanz eingebüßt haben. Eine gewisse Umschichtung zur Überwindung dieses Nachteils ist zu beobachten.