pf., Berlin

Seit einigen Wochen bieten die Zeitungskioske in Ostberlin für nur eine Mark ein 280 Seiten starkes Buch feil, ohne daß sich viele Käufer dafür interessieren. Es trägt den Titel "Branchenfernsprechbuch für die Hauptstadt der Deutschen Demokratischen Republik Berlin, Ausgabe 1964". Für den westlichen Besucher ist das Studium dieses Telephonbuches nicht ohne Reiz, zumal wenn er es mit dem Branchenfernsprechbuch für Westberlin vergleicht.

So befassen sich im Westteil der Stadt 53 Unternehmen mit Gebäudereinigung, in Ostberlin kein einziges. Büromöbelfirmen gibt es in Westberlin über 50, in Ostberlin 6, Blumengeschäfte hier fast 1000, dort nur 192, von denen jedoch ein Großteil staatlich ist und Namen trägt wie "Gärtnerische Produktionsgenossenschaft glühende Zukunft‘ oder ‚Frohe Fahrt‘"; auch bleibt unerfindlich, weshalb "HO Industriewaren, Kreisbetrieb Pankow" als Blumenlieferant firmiert.

Bei den Champignonzüchtern wird gleichgezogen 4 auf jeder Seite der Mauer. Enttrümmerungsunternehmen gibt es in Westberlin nur noch eines, in Ostberlin hingegen drei. Die Friseurbetriebe hinter dem Brandenburger Tor nennen sich "Produktionsgenossenschaften des Friseurhandwerks", wobei Namen wie "Modische Linie", "Die schöne Frisur" noch verständlich sind. Warum sich aber eine dieser verstaatlichten Friseurinnungen die Bezeichnung "Georgi Dimitroff" zugelegt hat, ist wohl nur den Eingeweihten bekannt.

Auf einem Gebiet hat der Osten indessen den Westen der Stadt überflügelt: es gibt dort dreimal soviel Geschäfte, die sich mit dem Vertrieb von Scherzartikeln beschäftigen.