Ich erinnere mich noch gut des plötzlich ganz spitz und blaß gewordenen Gesichts des Leutnants Vogel, als wir im September 1916 bei der Gouvernements-Ferme aus den Lastautomobilen stiegen und vor uns die rote Glut wie aus einem brennenden Ozean am nächlichen Himmel bis zu den Sternen aufzuschießen schien. Der Lärm, den wir schon weit, weit hinten wie den Gang einer ungeheuren Maschine vernommen hatten, wuchs riesenhaft auf gleich dem Gebrüll eines Raubtiers, das ganze Provinzen zu verschlingen gedenkt. Da strich der glühheiße Atem des mechanischen Todes über uns hin, und Vogel schrie mir stammelnd ins Ohr, seine Stimme klang fast wie die eines ratlosen Kindes: "Ja, sollen wir denn da hinein? Da kommen wir nie wieder heraus!"

Ja freilich sollten wir da hinein, dieses Millionenfeuerwerk stand nicht zu unserer Belustigung am Horizont. Uns schien es damals kaum geringer, als ob wir uns kopfüber in einen speienden Krater oder in einen flammenden Hochofen stürzen sollten. Und er hatte recht prophezeit, er kam auch nicht wieder heraus. Es kamen überhaupt nur sehr wenige, nur ein kleiner Bruchteil von denen, die angetreten waren, wieder heraus.

Diese wenige hatten eine Vorstellung bekommen vom Material.

...Die Schlacht ist ein furchtbares Messen der Industrien und der Sieg der Erfolg einer Konkurrenz, die schneller und rücksichtsloser zu arbeiten versteht.

Hier deckt das Zeitalter, aus dem wir stammen, seine Karten auf. Die Herrschaft der Maschine über den Menschen, des Knechtes über den Herrn wird offenbar, und ein tiefer Zwiespalt, der schon im Frieden die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ordnungen zu erschüttern begann, tritt auch in den Schlachten tödlich hervor. Hier enthüllt sich der Stil eines materialistischen Geschlechts, und die Technik feiert einen blutigen Triumph, Hier muß eine Rechnung beglichen werden, die längst verjährt und vergessen schien, und wenn wir "da hinein" mußten, so wird das schon seinen guten Grund haben.

Wenn wir vielleicht auch keine Schuld hatten – das Schicksal kennt keine persönliche Haltung; es steht hoch über Fragestellungen dieser Art. ...

(Aus: Ernst Jünger, Werke, Tagebücher I, Feuer und Blut, Ein kleiner Ausschnitt aus einer großen Schlacht.)