Von Friedrich Deich

Diesen offenen Brief hat uns der Chefredakteur der einflußreichen Ärzte-Zeitschrift "euromed" zur Verfügung gestellt. Wir drucken ihn gern ab, weil wir der Meinung sind, daß er Verbreitung verdient.

Seit einigen Wochen erleben wir in Deutschland einen Publizitäts-Rummel um ein angebliches Krebsheilmittel, einen Rummel, zu dem wir im Interesse unserer Kranken nicht länger schweigen dürfen. In der "Bunten Illustrierten" (Nr. 25) schreibt der Verleger, Senator E.H. Dr. Franz Burda, höchstpersönlich:

"Die japanischen Forscher, die das Antikrebsmittel Bamfolin entdeckten, sind nach Deutschland gekommen. Die "Bunte" hat leidenschaftslos und sachlich darüber berichtet. Nun treffen täglich ungezählte Hilferufe von Kranken und Ärzten mit der Bitte um Bamfolin bei uns ein. Das ist verständlich. Die Kranken greifen nach Bamfolin als dem letzten Strohhalm. Sie suchen Rettung vor der furchtbaren Geißel Krebs...

Sie suchen vergeblich. Vergeblich bestürmen sie die Ärzte, die Ärztekammern und sogar die Polizei. Denn Bamfolin ist auf legale Weise nicht zu haben – auch nicht, wenn Verzweifelte nach Tokio fliegen und dort nachts an der deutschen Botschaft Sturm klingeln, wie es jüngst geschah. Die "Bunte", die in Riesenlettern gauklerisch hinausschreit: "Neue Waffe gegen den Krebs" und "Sieg über den Krebs?" muß im Text klein(lauf) bekennen: "Wir haben stets betont, daß die Versuche mit Bamfolin noch im Anfangsstadium stecken." Der Krebskranke also, der in verzweifelter Not seine Arme "nach Bamfolin als dem letzten Strohhalm" ausstreckt, wird auf billige Weise abgespeist: Was wollen Sie denn? Haben Sie denn die "Bunte" nicht gelesen? Die Versuche mit Bamfolin stecken doch noch im Anfangsstadium!

Ich klage Sie an, Herr Senator E. H. Dr. Franz Burda: Sie haben in unverantwortlicher Weise in Tausenden und Abertausenden von Krebskranken trügerische Hoffnung auf Heilung geweckt. Sie spekulieren auf Mundreklame, darauf, daß die Menschen weitererzählen: Die "Bunte" berichtet laufend über ein neues Krebsheilmittel. In der Tat geht dieses Gerücht bereits durch alle Lande. Die "Bunte" tat ein übriges, den klaren Sachverhalt zu vernebeln. Sie berichtete von Wundern, verschwieg aber wohlweislich die kärglichen japanischen Ergebnisse. Denn nicht einmal im Lande des aufgehenden Bamfolins ist das Medikament bis jetzt zugelassen. Und es werden noch mindestens zwei Jahre vergehen, bis überhaupt ein Antrag gestellt werden kann. Aber die "Bunte" ist in aller Munde, und Sie, Herr Senator Dr. Burda, rechnen sich das als "großen Erfolg" an. Schließlich ist die Auflage Ihrer Illustrierten im zweiten Quartal 1964 um rund 40 000 gestiegen. Das ist wirklich ein schöner Erfolg.

Sie, Herr Senator, haben Ihre Leute zu prominenten deutschen Ärzten und Klinikern geschickt, um sie zusammen mit jenen japanischen Forschern aufs Bild zu bekommen. Das läßt Ihre Leser glauben, die Bamfolin-Story sei seriös. Wieder ein Grund mehr, daß Abertausende von Krebskranken "nach Bamfolin als dem letzten Strohhalm" greifen. Was sich bei diesen Versuchen, prominente Ärzte vor ihre Story zu spannen, ereignet hat, wird erst jetzt bekannt: