Owen Lattimore: Nomaden und Kommissare; Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart; 260 Seiten, 19,80 DM.

Der Autor, amerikanischer Staatsangehöriger, ist in China geboren und hat dort viele Jahre seines Lebens verbracht. Er war Journalist, Kaufmann, Forschungsreisender, politischer Berater von Tschiang Kai-schek und des amerikanischen Kriegsministeriums. Gegenwärtig lehrt er Geschichte und Geographie. Er bringt also viele Voraussetzungen mit, die ihn befähigen, über die Mongolei ein sachkundiges und ernsthaft unterrichtendes Buch zu schreiben. Er versichert glaubhaft, daß er sich in diesem fast unbekannten Lande frei habe bewegen und mit jedermann habe sprechen können. So hat er eine der reizvollsten gesellschaftlichen Erscheinungen unserer Gegenwart anschaulich beschreiben können: wie die überzeugten Marxisten ihre Anschauungen in einem Hirtenvolke verwirklichen. Ulan Bator beginnt, eine moderne Stadt zu werden, aber nicht weit davon erheben.sich die Filzzelte der Nomaden; und vor ihnen steht ein Motorrad. Lattimore kommt zu dem Schluß, daß das Alte in der Mongolei, gesellschaftlich gesehen, tot ist. Auch die Mongolen wollen den Fortschritt, und Fortschritt ist für sie gleichbedeutend mit Marxismus. H. H.