Funk

WESTDEUTSCHER RUNDFUNK

Donnerstag, 6. August, die Sendung:

Das Unterhaltungsorchester Kurt Edelhagen gastierte in Moskau, Ursula Deutschendorf zeichnete Eindrücke und Interviews auf: naiv, kunterbunt und daher zwar kritiklos, aber einigermaßen authentisch. Fasziniert waren unsere Landsleute demnach vom Beifall im Sportpalast und von den Glockenschlägen im Kreml, von der Menschenschlange am Leninmausoleum ("Petersplatz des Ostens") und von Edelhagenfans ("wunderbar"). Soweit stimmt die Sache; auch wenn die Interviewerin den Moskauer Alltag ausgerechnet im Mausoleum oder auf dem Standesamt gesucht und gefunden haben will.

Aber: ein nachdenkliches Wort ist damit zur Kulturreise unserer Estradenmusiker noch nicht gesprochen. Und das ist bei solchem Anlaß (9 Tage lang je 12 000 begeisterte Zuhörer) fällig. Die Moskauer hörten sich die bundesdeutsche Schnulze "Marie, Marie, du bist die Königin des wilden Wehestens" an, und sie ließen sich "heiße Musik" (wozu gleichermaßen "When the Satnts" und "King Greole" zählen sollen) bieten – vorgeblich im Gewande (zweifelhafter) Parodie. Wenn die Kulturfunktionäre nur auf dem Umweg über die Parodie derartige Musik tolerieren wollten, teilten sie freilich nicht von ungefähr den Edelhagengeschmack. Und diese unerwartete Gemeinsamkeit beschloß denn auch ein Interview: "Abschließend kann man sagen, daß die Verhältnisse gar nicht so verschieden sind." Spätestens an dieser Stelle machte sich ein eklatanter Mangel an Information in dieser Sendung bemerkbar: Wann war das Gastspiel? Wer hat es geplant? Warum gerade Edelhagen? Trotz des versiegten Kulturaustausches? Als Gegenleistung für welchen Ostbesuch? D. K.