Über das Wohlergehen des Flickschen Konzernreiches gibt es keine globalen Ziffern, denn die Konzernspitze veröffentlicht keine Bilanzen. Der Außenstehende erfährt nur etwas von den Beteiligungs- und Tochtergesellschaften, soweit sie in der Form einer publizitätspflichtigen Aktiengesellschaft betrieben werden. Immerhin ist eines sicher: Im Flick-Konzern gibt es nicht nur Perlen, wie sich die rund 40prozentige Beteiligung der Flick-Gruppe an der Daimler-Benz AG wohl ohne Übertreibung bezeichnen läßt. Hier konnte Flick im vergangenen Monat rund 26 Millionen Mark an Dividenden kassieren, abzüglich 25 Prozent Kapitalertragsteuer natürlich.

In den letzten Wochen ist nun die Dividende der Buderusschen Eisenwerke, Wetzlar, von 12 Prozent plus 2 Prozent Bonus fällig geworden, von der die Flick-Gruppe, die an Buderus über ihre Metallhüttenwerke Lübeck GmbH beteiligt ist, mehr als 51 Prozent des 33,78 Millionen betragenden Kapitals besitzt. Der Bonus ist jedoch eine echte Sonderzahlung, die sich kaum wiederholen wird. Das Konzernunternehmen Röchling-Buderus AG hat 1960 und 1961 keine Dividende gezahlt. Umgruppierungen in der Röchling-Gruppe ließen dies unzweckmäßig erscheinen. Jetzt bekommt Buderus aus dieser Beteiligung nachträglich 5 Millionen. Die Hälfte wurde für eine Kapitalerhöhung bei Röchling-Buderus eingesetzt. 1,8 Millionen bekam das Finanzamt. Was dann noch verblieb, fließt den Aktionären alsBonus zu. Er ist eine einmalige Angelegenheit und wird sich nicht wiederholen, zumal zur Zeit die Stahlwerke Röchling-Buderus AG bei der gegebenen Konjunkturlage ohne namhaften Gewinn arbeitet.

Klammert man den beschriebenen Komplex aus, dann zeigen sich in der Ertragsrechnung von Buderus keine großen Strukturänderungen. Die Umsätze haben sich zwar um 8 Millionen erhöht, das aber wurde durch um 6,7 Millionen gestiegene Personalaufwendungen und um einen Abschreibungsmehrbetrag von 2 Millionen überkompensiert, steuerlich höchstzulässige Abschreibungen sind notwendig. Buderus ist auf Selbstfinanzierung angewiesen. Die Eisen-Gießereien liegen zur Zeit keineswegs im Winde einer guten Konjunktur. Gußeisen wird aus einer Reihe von Anwendungsgebieten verdrängt.

Bei einer rückläufigen Gesamtproduktion in der Gießereiindustrie und bei Fortschritten in der Fertigung ist der Wettbewerb naturgemäß scharf. Die Preise liegen unter ständigem Druck. Dennoch konnte der Umsatz ausgeweitet werden. Die Exporterfolge waren sogar recht gut. Allerdings folgten die Erträge der Umsatzentwicklung nicht. Nur durch Rationalisierungsmaßnahmen konnte eine Schwächung der Ertragslage vermieden werden. 28 Millionen wurden investiert. Davon wurden 17 Millionen durch Abschreibungen aufgebracht. Was darüber hinaus notwendig war, wurde durch eine Straffung der Bilanz gewonnen.

Das laufende Jahr hat sich gut angelassen. Der Winter war nicht so kalt wie 1963, es wurde mehr gebaut und es wurden daher in größerem Umfange Buderus-Erzeugnisse (Röhren, Radiatoren, Badewannen usw.) abgesetzt. Leider ist das lediglich eine Mengenkonjunktur; die Ertragslage bleibt angespannt. Bei einem erhöhten Einsatz von Auslandsarbeitern, deren Eingliederung in die Buderus-Arbeitsgemeinschaft mit Unkosten verbunden ist, steigen vor allem die personellen Kosten. Die neuen Tarifvereinbarungen, die von der Öffentlichkeit als maßvoll und annehmbar betrachtet werden, bedeuteten jedoch für die gesamte Gießereiindustrie Mehraufwendungen in solchem Ausmaße, daß sie von den Unternehmen nicht mehr allein getragen werden könnten, erklärte Generaldirektor Dr. Grabowski auf der Hauptversammlung. Man werde nun an Preiserhöhungen für die Erzeugnisse nicht mehr vorbeikommen. Die Verwaltung ist sich dabei klar darüber, daß die möglichen Preiskorrekturen nicht in vollem Umfang die Kostensteigerungen decken werden, denn der Wettbewerb lasse bei vielen Erzeugnissen die notwendigen Anpassungen nicht zu.

Von der Feldmühle AG, Düsseldorf, wird der Alleinaktionär, die Flicksche Verwaltungsgesellschaft für Steinkohlenbergbau und Hüttenbetrieb GmbH, Düsseldorf, im Wege eines Organschaftsvertrages einen Gewinn von 20,6 Millionen erhalten. Das ist zunächst im Hinblick auf das Kapital von 75 Millionen DM – es wurde im vergangenen Jahr aus Gesellschaftsmitteln durch Inanspruchnahme der Freien Rücklage um 11 Millionen DM aufgestockt – eine recht ansehnliche "Dividende". Diese Rechnung verliert allerdings ihren Zauber, wenn man berücksichtigt, daß darin immerhin auch der Gewinn der Tochtergesellschaft Dynamit Nobel AG, Troisdorf, steckt. Die Feldmühle vereinnahmt Erträge aus Gewinnabführungsverträgen von 17,1 Millionen DM, das betrifft im wesentlichen den von der Troisdorfer Tochter abgeführten Gewinn, der nach der Ertragsrechnung von Dynamit Nobel 15,92 Millionen DM betrug. Die Feldmühle brauchte ihrerseits also nicht mehr so sehr viel dazuzuverdienen, um ihren Aktionär zufriedenzustellen. Ob das Unternehmen selbst mit diesem Ergebnis, das immerhin in Relation zu dem Geschäftsvolumen der beiden Konzerne gesehen werden muß, zufrieden ist, wird im Bericht der Verwaltung nicht erwähnt. Feldmühle stellt im Berichtsjahre 1 Million DM in die Freie Rücklage ein, und Dynamit Nobel 4,12 Millionen DM.

In diesen Tagen ist der Schlußstrich unter die turbulente Zeit der Umwandlung der früheren Feldmühle, Papier- und Zellstoffwerke AG, gezogen worden. Bislang stand der Abfindungskurs für die ausgeschiedenen freien Aktionäre noch aus. Jetzt hat ihn das Oberlandesgericht Düsseldorf auf 920 Prozent festgesetzt, während das letzte Angebot der AG für Papier- und Zellstoffinteressen, auf welche die Feldmühle umgewandelt worden ist, bei nur 786 Prozent lag. Das Warten hat sich für die freien Aktionäre, die nicht umwandlungswillig waren, also gelohnt. Aber es sind nicht mehr viele, die Geduld hatten. Nach Angaben der Feldmühle müssen nur noch drei Millionen an die ausgeschiedenen Aktionäre gezahlt werden. Der Betrag setzt sich zusammen aus der Differenz von 920 Punkten zu dem Kurs von 786, zu dem die Aktionäre bereits abgefunden worden sind, und aus einem Zinssatz von 6 Prozent seit dem 8. August 1962.