"Erstens, zweitens, drittens" (Italien; Verleih: Neue Filmform Heiner Braun): Gleich drei junge Regisseure, die wir noch nicht kannten, werden uns mit diesem Episodenfilm vorgestellt: Sergio Tat (Helden im Krieg), Fernando di Leo (Helden des Alltags) und Frans Weisz (Helden der neuen Welt). Die Etüden sind von unterschiedlichem Niveau, doch alle drei beweisen sie Talent, Geschmack und lässige Beherrschung des Handwerks. Tau beginnt mit einer Szene aus dem Eisten Weltkrieg: Ein des Krieges überdrüssiger Soldat, halb Italiener, halb Deutscher, versucht überzulaufen, aber dabei erwischen ihn Überläufer von der anderen Seite und zwingen ihn, sie seinerseits gefangenzunehmen und hinter die italienischen Linien zu bringen. Der spärliche Einfall genügt Tau zu einer Art höheren slapsticks. Das Ganze spielt im Schnee, in den winterlichen Dolomiten. Die Bewegungen der Soldaten inmitten all der Stille sind von grotesker Vergeßlichkeit, Schüsse, die in die Idylle platzen, heben die Komik immer wieder im richtigen Augenblick auf, stellen die Balance zwischen Entsetzen und Gelächter her. Fernando di Leos Ambitionen sind vornehmlich formal. Ein millionenschwerer Grundstücksspekulant erliegt bei zweien seiner Mädchen, deren er viele sich hält, einem Herzinfarkt. Um sich einen Platz im Paradies zu sichern, vermachte er sein ganzes Geld dem Heiligen Stuhl. Der eigentliche Erbe, ein kleiner, gedrückter Handelslehrer, wagt das Testament anzufechten, doch das bringt ihm keinen Pfennig, sondern Gefängnis wegen Gotteslästerung. Gegen die Kirche ist schlecht aufmucken. Die letzte Einstellung zeigt den auf Bewährung Entlassenen von zwei gütigen Priestern flankiert. Jede Nuance der bizarren Affäre kostet di Leo aus. Der Holländer Weisz hängt ein buntes Nichts hintendran: Zwei "Westerner" in Rom, zwei Mädchen, Kate und Jessica. Ihr gelassener Gang, ihre Kleidung sind fremd in der Stadt. Beide verlieben sich in einen Schlagersänger, und seinetwegen treten sie sich zum showdown gegenüber. Die Fenster werden geschlossen, Garagentüren rasseln herunter, die Straßen leeren sich. Die Colts sind aber nicht geladen, es bleibt beim Schreck, den schönen Gesten, bei der unverbindlichen Verneigung vor dem geliebten Genre, beim ironischen Zitat. Wenn ihm aber eines Tages etwas einfällt, wird man auch von Weisz etwas erwarten dürfen.

"Die Jungfrauen" (Frankreich; Verleih: Nora): Das ist ebenfalls ein Episodenfilm, nur lose sind seine Teile verknüpft, aber immer geht es um junge Mädchen, denen ihre Keuschheit mehr oder weniger Schwierigkeiten macht. Die beste, die erste Episode erzählt von einem, das jungfräulich in die Ehe tritt mit einem Mann, der bis zur Hochzeit sich zurückhält, dann aber mit Nachdruck und brutal auf seinen Vertrag pocht und sie damit sehr verängstigt. Das ist böse erzählt und von bitterer Komik. Sonst aber verschreibt sich Jean-Pierre Mocky der platten Unterhaltung und schert sich wenig um die Glaubhaftigkeit der Geschichtchen, die ihm zum Thema eingefallen sind. Gelinde frivol geht es zu, das dürftige Fazit: Es ist nicht immer ganz leicht, rechtzeitig und am rechten Ort die hinderliche Unschuld loszuwerden. Einmal passiert es in einer Gespensterbahn, ein anderes. Mal in einem chemischen Labor, beide Male ist der Täter ein Fremder mit breiter Brust. Denen über achtzehn wird für den Feierabend eine teils lose, teils sentimentale Jugend präsentiert, die man außerhalb des Kinos vergeblich sucht. U. N.