Bonn, im August

Der Wehrbeauftragte, aber auch die Bundeswehr können mit dem vorläufigen Ergebnis der dreitägigen Beratungen des Verteidigungsausschusses zufrieden sein: Der Wehrbeauftragte, weil er den Anstoß zu Maßnahmen gegeben hat, die der "Inneren Führung" direkt oder indirekt zugute kommen werden; die Bundeswehr, weil sie diese Maßnahmen andernfalls nur schwer – wenn überhaupt – erreicht hätte.

Im Bundesverteidigungsministerium will man freilich den Kausalzusammenhang zwischen der Kritik Heyes und den auch von den beiden anderen Parteien gebilligten Vorschlägen des CDU-Wehrexperten Kliesing nicht wahrhaben. Aber daß die Dinge erst nach Heyes Fanfarenstoß in Bewegung geraten sind, das kann man im Bundesverteidigungsministerium schließlich nicht in Abrede stellen. Die neuen Vorschläge zielen vor allem auf eine Verbesserung der Offiziers- und Unteroffiziersausbildung und auf eine Vermehrung von Stabsfeldwebel- und Offiziersstellen – damit die "Innere Führung" besser praktiziert werden könne als bisher.

Schon deshalb nimmt sich die Behauptung des Bundesverteidigungsministers seltsam aus, Heyes "Pauschalurteile" in der Quick-Serie seien "Punkt für Punkt" widerlegt worden. Der stellvertretende Ausschußvorsitzende Wienand (von der SPD) behauptet genau das Gegenteil. Bis auf zwei Punkte seien Heyes Vorwürfe durchaus bestätigt worden, sagte er. Und zwei Punkte, das sei in der Fülle der Vorhaltungen eine geringe Fehlerquote. Ein Brigadekommandeur meinte, wenn es Heye nicht gäbe, müßte man ihn erfinden. Und der diplomatisch vorsichtige Präsident des Wehrdienstsenats der Bundeswehr, Barth, resümierte: Die Lage in der Bundeswehr ist zwar nicht so schlimm, wie sie Heye dargestellt hat, aber auch nicht so gut, wie es andere gern wahrhaben möchten.

Geradezu töricht ist das Argument, das man mehrfach zu hören bekam, die zweieinhalbtausend Beschwerden, von denen Heye Kenntnis erhielt, besagten nichts im Hinblick auf die Zahl von weit über 400 000 Bundeswehrsoldaten. Wenn der Wehrbeauftragte bei einem Truppenbesuch mit einer Reihe von Offizieren, Unteroffizieren, Soldaten, wenn er mit Vertretern von Behörden und Einwohnern des Standortes gesprochen hat, dann hat er Eindrücke gewonnen, die man in ihrer symptomatischen Bedeutung nicht einfach mit Zahlenspielen abtun kann.

Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Dr. Jäger, meinte, Heye sei vielleicht, weil an ihn immer nur das Negative herangebracht werde, "betriebsblind" geworden. Aber könnte man dann nicht noch viel eher dem Generalmajor Weber Befangenheit vorwerfen. Er war der erste Kommandeur der Schule für Innere Führung. Und nun sollte er im Auftrage Hassels prüfen, ob die Arbeit dieser Schule vielfach tatsächlich so erfolglos war, wie Heye es behauptet hatte.

Es ist jedenfalls Dr. Jäger und anderen CDU/CSU-Abgeordneten nicht gelungen, den Verteidigungsausschuß von seiner Hauptaufgabe abzubringen und einen "Fall Heye" zu konstruieren.

Man darf, ohne dem Untersuchungsergebnis vorzugreifen, heute schon die Voraussage wagen, daß Heye über diesen Bericht als Wehrbeauftragter nicht stolpern wird. Die FDP, die SPD und ein großer Teil der CDU/CSU möchten, daß Heye auf seinem Posten bleibt. Seine Amtszeit läuft im Jahre 1966 ab. Robert Strobel