Unser Kritiker sah:

Von Aimé Césaire

Europa-Studio, Salzburg

Im Umkreis der Salzburger Festspiele hat sich die Privatinitiative des lange vernachlässigten Schauspiels bemächtigt. Im vorigen Sommer erst wurde das "Europa-Studio" gegründet. Der Bertelsmann-Verlag und der Westdeutsche Rundfunk griffen dafür tief in ihre Kassen. Ein Jahr später schon kann man im (gemieteten) Salzburger Landestheater drei Uraufführungen vorstellen. Die erwählten Autoren sind der aus Martinique stammende, französische Negerdichter Aimé Césaire, der Belgier Paul Willems und der Ungar Julius Hay.

Der Beginn mit einem exotischen Stück in französischer Sprache war so kühn wie erfolgreich. Liest man "Die Tragödie von König Christoph" in der deutschen Übersetzung von Janheinz Jahn, die vom Kiepenheuer & Witsch-Verlag bereitgehalten wird, dann ist man auf so zwiespältige Eindrücke gefaßt, wie sie mit Cesaires erstem Stück "Und die Hunde schwiegen" das Landestheater in Hannover vermittelt hat. Der Autor ist primär Lyriker. Was er als Politiker und Humanist im Sinne hat, die Freiheit, aber auch den menschlich-kulturellen Reifungsprozeß aller Neger und ihrer Staaten, das scheint zuviel zu sein für sein dramatisches Talent.

Im "König Christoph" skizziert Césaire mit zahllosen Bühnenszenen den Aufbau des schwarzen Königreichs, das Henry Christophe, ehemals Sklave, Koch und General, anfangs des 19. Jahrhunderts im Norden des zweigeteilten Haiti errichtete. Aus dem Erzieher des überforderten Volkes wurde ein neuer Tyrann.